Deutlich mehr Lehrer auf schwarzer Liste

Kindesmissbrauch, Gewalt, Drogen und psychische Probleme: In der Schweiz sind mindestens zwischen 115 und 135 Lehrer mit einem Unterrichtsverbot belegt – fast 50 Prozent mehr als vor drei Jahren.

Die Akten zu fehlbaren Lehrern werden dicker: Ein Ordner auf einem Tisch in einem Schulzimmer.

Die Akten zu fehlbaren Lehrern werden dicker: Ein Ordner auf einem Tisch in einem Schulzimmer.

(Bild: Keystone)

In den letzten drei Jahren hat die Zahl der Lehrer, die auf der schwarzen Liste der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) verzeichnet sind, um mindestens 45 Prozent zugenommen. Derzeit seien mindestens zwischen 115 und 135 Lehrer registriert, schreibt die «SonntagsZeitung». Diese verloren ihre Unterrichtsbewilligung wegen eines sexuellen Übergriffs, wegen Drogensucht, einer psychischen Erkrankung oder weil sie gewalttätig waren.

Zur Liste gibt die EDK jedoch nicht Auskunft. Von zwanzig von der «SonntagsZeitung» angefragten Kantonen machten nur sechs Kantone ihre Meldungen an die EDK transparent. An meisten Personen meldete der Kanton Waadt mit 60 bis 80, gefolgt von Zürich mit 35. Bern, Luzern, Genf, Schaffhausen und Solothurn weisen einstellige Zahlen aus.

Ausweitung auf andere Berufe gefordert

Letzte Woche informierte die Kantonspolizei Bern über den Fall eines Schulsozialarbeiters, der über Jahre hinweg mindestens 20 Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll. Christian Amsler, Schaffhauser Regierungsrat und Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren, fordert nun in der «SonntagsZeitung» eine Ausweitung der Liste auf alle Personen, die in einer Schule arbeiten, vom Logopäden bis zum Abwart.

Das ist im Kanton Schaffhausen schon heute der Fall. Nicht so in Zürich, und zwar deshalb, weil das Förderpersonal nicht vom Schulamt eingestellt werde. Auch die Kriterien zur Erstellung der Liste sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Einige registrieren Personen auch ohne rechtskräftiges Urteil. Für den Präsidenten des Schulleiterverbands, Bernhard Gertsch, ist das problematisch. Denn so könnten auch zu Unrecht verdächtigte Personen ihre Lehrerlaubnis verlieren.

rub

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