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Der Traum vom alpinen Wirtschaftsraum

Der Gotthard soll künftig Millionen von Touristen anziehen. Um dies zu ermöglichen, haben sich gestern die Parlamentarier von vier Kantonen zusammengetan.

Wer weit hinten im Tal wohnt, muss noch lange kein Hinterwäldler sein. Ausgerechnet den Kantonen Uri, Graubünden, Wallis und Tessin ist es gestern gelungen, den oft beklagten Kantönligeist auf nie da gewesene Weise zu überwinden. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben sich die Parlamentarier der vier Kantone zusammengesetzt, um ein gemeinsames Projekt anzupacken. Sie wollen ihre Region unter dem Label «San Gottardo» als «Herz der Alpen im Zentrum Europas» zu einem florierenden Wirtschaftsraum machen, wie die rund 150 Politiker in einer gemeinsamen Charta festhielten.

Bundesrätin Doris Leuthard war von diesem Bekenntnis zur überkantonalen Zukunft derart angetan, dass sie gestern nach Andermatt reiste und der ersten Gotthardkonferenz beiwohnte. Sie sprach von einer «Innovation in und an der Demokratie» – von einem «historischen Schritt», der anderen Kantonen der Schweiz als gutes Beispiel dienen könne. Die Region beweise, dass es möglich sei, über institutionelle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Nachbarn nicht als Konkurrenten, sondern als Partner anzuschauen.

800'000 Franken aus Bern

Leuthard war bei den 150 Kantonsräten ein gern gesehener Gast. Denn die Wirtschaftsministerin brachte einen reichen Geldsegen in die Region. Der Bund hat entschieden, «San Gottardo» im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) bis ins Jahr 2011 mit 800 000 Franken zu unterstützen. Die NRP ist seit Januar in Kraft und gibt strukturschwachen Regionen die Möglichkeit, beim Bund finanzielle Mittel für innovative Projekte zu beantragen. «Wir wollen Anreize für die Kantone schaffen, sich zusammenzuschliessen und im Standortwettbewerb vorne dabei zu sein», sagte Leuthard. Mit der Bildung einer Grossregion entspreche «San Gottardo» genau dieser Anforderung.

Die Vision des gemeinsamen Entwicklungsraums Gotthard steckt zwar erst in den Kinderschuhen. Dennoch konnte Projektleiter Jean-Daniel Mudry in Andermatt erste konkrete Ergebnisse präsentieren. Seit gestern gibt es eine Homepage, auf der sich die Gotthard-Kantone gemeinsam präsentieren. Reisende erhalten künftig bei der Tourismus-Information einen Prospekt mit Attraktionen aus den verschiedenen Gotthard-Regionen. Überdies deutete Mudry gestern an, wie «San Gottardo» im Jahr 2020 mit einem medialen Grossanlass für sich werben will: Unter dem Titel «Gottardo 2020» soll die Schweiz zur Eröffnung der neuen Gotthard-Alpentransversale eine Expo veranstalten.

Ein Drittel mehr Jobs bis 2020

Das Jahr 2020 soll zum Schlüsseljahr des ehrgeizigen Projekts werden: Die vier Kantone haben sich vorgenommen, bis dahin die Umsätze und die Zahl der Arbeitsplätze in der Region um 30 bis 50 Prozent zu steigern. Heute verbucht die Region rund drei Millionen Logiernächte pro Jahr. Zum Motor des Booms soll das Projekt des ägyptischen Investors Samih Sawiris werden, der in Andermatt für rund eine Milliarde Dollar ein Tourismus-Resort baut. Die Region «San Gottardo» hat heute rund 85 000 Einwohner und erstreckt sich über das Urserntal, die Leventina, das Riviera- und Bleniotal, die Surselva und das Goms.

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