Zum Hauptinhalt springen

Der Schweizer Konsum

Ein fiktiver Monolog eines Ladenbesitzers in einer Schweizer Grenzstadt.

Ladenbesitzer: Seit zehn Tagen rennen die Eidgenossen mir die Tür ein, so nach dem Motto «Masseneinkauf statt Masseneinwanderung». Jetzt weiss ich, was Dichtestress ist. Aber untereinander haben die keine Berührungsängste. Da stürzt man sich kollektiv auf Waren. Es wird gerangelt und umarmt, so nach dem Motto «Aus Liebe zu Schweizern, mit Mut und ohne Verstand». Der Verstand nämlich setzt als Erster aus, wenn ein Gehirn ein Schnäppchen wittert. Beim Anblick von Aktionen werden Botenstoffe freigesetzt, die das Belohnungs­system im Hirn aktivieren, so nach dem Motto «Einfach besser leben».

Da können Sie sich vorstellen, wie es in Schweizer Gehirnen gerade aussieht, wenn sie mit dem Euro 20 Prozent, mit dem Winterschlussverkauf zusätzlich 50 Prozent und mit meiner Treuekarte nochmals 1 Prozent sparen. Da drehen die komplett durch, so nach dem Motto «Kokain für alle statt für wenige». Es dauert dann zum Glück eine Weile, bis der frontale Hirnlappen wieder auf Verstand schaltet, deswegen merken die Schwizerli erst zu Hause, dass sie viele Einkäufe gar nicht brauchen. Da hocken sie dann auf 25 Maxi-Bechern Joghurt, die in zwei Tagen ablaufen, und ihnen ist sowieso übel, weil das schlechte Gewissen sie plagt. Denn das muss man den Schweizern lassen: Sie finden Geiz nur mit schlechtem Gewissen geil, so nach dem Motto «Gegen die Abzockerei». Und darum verheimliche ich den Schweizern – nach dem Motto «Masslosigkeit schadet» –, dass mein Geschäft zusätzliche Rabattgutscheine, Bonuskarten und Verlosungsaktionen hat.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.