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Der Provokateur des Bistums Chur

Der romtreue Generalvikar Martin Grichting sorgt wieder einmal für Wirbel. Diesmal verärgert er die Romanen.

Ein umstrittener Kirchenmann: Martin Grichting. (Screenshot: SF)
Ein umstrittener Kirchenmann: Martin Grichting. (Screenshot: SF)

«Martin Grichting hetzt gegen die Romanen», schreibt die «Südostschweiz» in der heutigen Ausgabe. Dabei zitiert das Blatt aus einem Mail, das der Generalvikar des Bistums Chur kürzlich an die Redaktion der romanischen Tageszeitung «La Quotidiana» geschickt hat. «Ich kann eigentlich nur froh sein, dass in diesem Land bald niemand mehr Romanisch versteht», heisst es im Mail von Grichting, der für moderne Katholikinnen und Katholiken ohnehin ein rotes Tuch ist.

Anlass des provokativen Mails ist der Streit, den sich Grichting und der Theologe und Schriftsteller Ursicin Gion Gieli Derungs in der «Quotidiana» über «die richtige Sprache der Liturgie» liefern. Nach Ansicht von Grichting dient die romanische Zeitung den Kritikern der katholischen Kirche seit Jahren als Hetz-Plattform. Dem widerspricht «Quotidiana»-Chefredaktor Martin Cabalzar: «Die Aussagen Grichtings sind haltlos, beleidigend und im Übrigen gerade für einen Generalvikar auch nicht sehr christlich.»

Grichting zum Rücktritt aufgefordert

Wie die «Südostschweiz» weiter berichtet, hat Grichting inzwischen erklärt, er habe nicht die romanische Sprache angreifen wollen, sondern endlich die publizistische Verantwortung der «Quotidiana» zum Thema machen wollen. Auch der schriftstellernde Theologe und Grichting-Widersacher Derungs hat sich wieder zu Wort gemeldet – und den Kirchenmann zum Rücktritt aufgefordert, was beim Bistum Chur keinen Eindruck macht, wie deren Medienstelle bereits klargemacht hat.

Der 46-jährige Grichting, der an der Opus-Dei-Universität Santa Croce in Rom studiert hat, sorgt regelmässig für Schlagzeilen, weil er sich mit deutlichen Worten gegen die Modernisierung der katholischen Kirche stemmt. Der romtreue Kirchenrechtler war im Dezember 2009 von Bischof Vitus Huonder als Generalvikar für das Bistum Chur ernannt worden. Grichting kämpft seit Jahren gegen die demokratisch verfassten Landeskirchen, in erster Linie gegen die verhasste «Zürcher Gegenkirche». Grichting hatte sich bereits als Jungtheologe in seiner Dissertation auf die staatskirchenrechtlichen Körperschaften eingeschossen.

Streit um Kirchenzugehörigkeit und Steuerpflicht

Einen Schlagabtausch mit Vertretern der Kantonalkirchen lieferte sich Grichting zuletzt aus Anlass eines Bundesgerichtsurteils bezüglich partieller Kirchenaustritte. Gemäss dem Entscheid, den Grichting als Bestätigung des bereits bestehenden «Churer Modells» feierte, kann man aus der Kirche austreten und trotzdem der katholischen Kirche angehören. Dabei fällt die Pflicht, die Kirchgemeindesteuer zu entrichten, weg. Es besteht aber die Möglichkeit, die Kirche respektive das Bistum direkt mit einer Spende zu unterstützen. Dazu gibt es gemäss dem kanonischen Recht sogar eine «kirchliche Beitragspflicht».

Den «Solidaritätsfonds» des Bistums Chur gibt es seit 2009. Dass er grossen Zulauf hat, kann man aber nicht behaupten, wie die katholische Nachrichtenagentur Kipa-Apic berichtete. Bis Mitte August sollen erst 22 katholische Gläubige von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, den Fonds für den «Unterhalt der Kleriker, die für die Diözese Dienst tun», zu unterstützen.

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