Der Preis der Globalisierung

In der Schweiz wird die medizinische Basisversorgung zur Mangelware. Das ist erschreckend und ärgerlich. Rasche Abhilfe gibt es nicht.

Markus Brotschi@derbund

Vor vier Jahren wurden in der Schweiz die ersten Engpässe bei Impfstoffen bekannt. Einmal fehlen Kombi-Impfungen für Säuglinge, dann gegen Hepatitis A, und nun gibt es keine Tetanus-Impfdosen mehr. Dass in einem Land, in dem eher medizinische Überversorgung als Problem gilt, Basismedizin zur Mangelware werden kann, ist erschreckend und ärgerlich zugleich.

Doch einfache Lösungen und rasche Abhilfe gibt es nicht. Das Problem ist die weltweite Konzentration der Impfstoffproduktion auf ein paar wenige Hersteller bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Eine Panne oder Fehlplanung beim Hersteller hat globale Folgen. Die Zeiten, in denen in der Schweiz noch die Firma Berna Impfdosen produzierte, sind längst vorbei. Selbst Novartis hat seine Impfstoffsparte vor einigen Jahren abgestossen, weil sie keinen Gewinn abwarf.

Dass weltweit immer mehr geimpft wird, ist hingegen eine positive Entwicklung. Heute profitieren von der Immunisierung gegen lebensbedrohliche Krankheiten nicht nur reiche Länder, sondern auch Schwellenländer und Menschen in der Dritten Welt. Diese Tatsache lässt das Ziel realistisch erscheinen, dass viele Krankheiten irgendwann besiegt werden.

Doch nun ist vielerorts nicht mehr Geld, sondern Impfstoff knapp. Die Schweiz sollte wie andere europäische Länder den Einkauf zentralisieren. Sie könnte mit der Marktmacht eines Staates den Pharmariesen gegenübertreten, statt dass einzelne Arztpraxen und Spitäler den Markt abklappern. Wird nicht rechtzeitig geliefert, wird eine Busse fällig. Der zentrale Einkauf beseitigt jedoch nicht den globalen Mangel an Impfstoff. Statt in der Schweiz fehlt dieser dann anderswo.

Bis jetzt fanden Ärzte und Spitäler in der Schweiz Mittel und Wege, die Engpässe zu überbrücken – teils mit unbefriedigenden Lösungen: indem etwa statt der einfachen Tetanus-Impfung ein Kombi-Schutz verabreicht wird, der auch gegen Keuchhusten ­immunisiert. Ärzte werden zudem zu heiklen Risikoabwägungen gezwungen: Entweder fehlt die Kombi- Impfung für Schwangere oder für einen Verletzten.

Die Einzigen, die von den Engpässen profitieren, sind die Impfgegner.

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