Der Millionenvertrag, der den SRG-Umzug belastet

Mit einem Auszug aus ihrem Hauptsitz in Bern könnte die SRG Millionen sparen. Doch niemand will die Gebäude mieten. Das gefährdet den Umzug der Radioredaktion nach Zürich.

4,4 Millionen Franken Sparpotenzial pro Jahr: Sitz der SRG-Generaldirektion in Bern. Foto: Manfred Schär (Wikimedia)

4,4 Millionen Franken Sparpotenzial pro Jahr: Sitz der SRG-Generaldirektion in Bern. Foto: Manfred Schär (Wikimedia)

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Die SRG muss sparen, insgesamt rund 100 Millionen Franken pro Jahr hat sie sich zum Ziel gesetzt. Dazu plant sie unter anderem, einen grossen Teil der Radioredaktion von Bern nach Zürich zu verlegen. Dieser Umzug soll die Betriebskosten um jährlich 3 Millionen Franken senken. Noch mehr sparen kann die SRG aber, wenn die Generaldirektion vom Stadtrand Berns ins heutige Radiostudio im Zentrum der Stadt umziehen kann.

Die von einem allfälligen Umzug nach Zürich betroffenen Radiomitarbeiter vermuten denn auch, dass sie ihren Platz wegen der Generaldirektion räumen müssen. Denn für das Gebäude des Radiostudios an der Schwarztorstrasse entrichtet die SRG mit jährlich 238’000 Franken nur einen verhältnismässig geringen Baurechtszins, während sie für ihren Hauptsitz an der Giacomettistrasse mehrere Millionen Franken Miete zahlt.

Die genauen Mietkosten gibt die SRG nicht bekannt. Doch in einem internen Bericht heisst es, mit dem Projekt «Standortverlagerung Generaldirektion» liessen sich jährlich bis zu 4,4 Millionen Franken einsparen. Ob die Generaldirektion das 14-stöckige Hochhaus und ein Nebengebäude im Nordosten Berns so rasch loswird, ist aber fraglich. Denn der Mietvertrag mit der Schweizerischen Mobiliar, der das Gebäude gehört, läuft noch bis 2032, und die SRG muss einen Nachmieter finden. Das wiederum ist schwierig, denn in Bern gibt es zurzeit ein Überangebot an Büroräumen. Erst vor kurzem sind dem Vernehmen nach zwei potenzielle Interessenten wieder abgesprungen.

Die Stadt Bern will helfen – und stellt Bedingungen

Im Idealfall könnte ein Nachmieter den bestehenden Mietvertrag und alle freien Flächen übernehmen, heisst es im Bericht, der dieser Zeitung vorliegt. Gelinge dies nicht, werde die SRG in eigener Regie Büroflächen vermieten. Die Projektverantwortlichen räumen «ein gewisses Vermietungs- beziehungsweise Finanzrisiko» ein. Es müsse damit gerechnet werden, dass die Hälfte der Gesamtfläche nicht vermietet werden könne.

Das Einsparpotenzial wird denn auch vom künftigen Vermietungsgrad abhängig gemacht. Im schlechtesten Fall spart die SRG bloss 700’000 Franken im Jahr, im besten Fall 4,4 Millionen. Allenfalls bleibt auch ein Teil der Generaldirektion am bisherigen Standort, denn im heutigen Berner Radiostudio würde nur Platz für rund die Hälfte der 400 SRG-Mitarbeiter des Hauptsitzes frei. Für die anderen müsste die SRG einen neuen, ebenfalls preisgünstigen Standort finden.

Die Stadt Bern hat der SRG ihre Hilfe bei der Suche nach günstigeren Liegenschaften für die Generaldirektion angeboten. Ebenfalls zeigt sie sich bereit, die SRG bei der Nachmietersuche für die Liegenschaft an der Giacomettistrasse zu unterstützen. Allerdings helfe die Stadt Bern der SRG nur unter der Voraussetzung, dass das Radiostudio Bern mindestens im heutigen Umfang bestehen bleibe und keine Verlegung nach Zürich erfolge, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried. Im Herbst entscheidet der SRG-Verwaltungsrat über die Verlegung der Informationsabteilung von Radio SRF von Bern nach Zürich.

Sollte bis dahin kein Nachmieter für den Hauptsitz gefunden werden, der der SRG die hohen Mietkosten für ihren Hauptsitz abnimmt, könnte es für SRF-Direktor Ruedi Matter schwieriger werden, den politisch umstrittenen Umzug zu begründen.

Umzug nach Zürich nicht infrage gestellt

Stadt und Kanton Bern wehren sich vehement gegen eine Konzentration der Radioredaktion in Zürich, weil damit journalistische Vielfalt verloren gehe. Die SRG als föderalistischer und gebührenfinanzierter Medienbetrieb müsse seine Präsenz im politischen Zentrum der Schweiz behalten. Auch die Mitarbeitenden der Radioredaktion in Bern lehnen den Umzug grossmehrheitlich ab, weil sie befürchten, dass längerfristig die strikte Trennung zwischen Radio und Fernsehen aufgelöst wird und die Qualität des Radios verloren geht.

Die SRG-Spitze scheint hingegen nach wie vor entschlossen, den Umzug grosser Teile der Inland- und der ganzen Auslandredaktion nach Zürich durchzuziehen. Flaggschiffe wie «Rendezvous am Mittag» oder «Echo der Zeit» würden künftig in Zürich produziert. Neben der Kostenersparnis macht die SRG «publizistische Gewinne» geltend, die dank der Produktion von Radio-, TV- und Online-Inhalten am selben Ort entstünden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2018, 15:13 Uhr

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