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«Delikatessen aus der Folterkammer»

Auf Schweizer Tellern landen 300 Tonnen Stopfleber, 200 Tonnen Hummer und 90 Tonnen Froschschenkel pro Jahr: Die Kritik des Tierschutzes lässt viele aber kalt.

Umstrittene Zwangsfütterung: Ein Mitarbeiter einer französischen Geflügelzucht stopft Gänse. (27. November 2012)
Umstrittene Zwangsfütterung: Ein Mitarbeiter einer französischen Geflügelzucht stopft Gänse. (27. November 2012)
Jean-Fronçois Monier
Zusätzlich landen 90 Tonnen importierte Froschschenkel auf den hiesigen Tischen: Gehäutete Froschschenkel auf einem Markt in Indonesien, dem grössten Lieferanten für europäische Importe. (11. Februar 2013)
Zusätzlich landen 90 Tonnen importierte Froschschenkel auf den hiesigen Tischen: Gehäutete Froschschenkel auf einem Markt in Indonesien, dem grössten Lieferanten für europäische Importe. (11. Februar 2013)
Romeo Gacad
Die Hummer werden bei manchen Detailhändlern mit gefesselten Scheren und aufeinandergestapelt präsentiert: Ein schottischer Fischer bringt ein Gummiband an einer Hummerschere an. (23. Juli 2014)
Die Hummer werden bei manchen Detailhändlern mit gefesselten Scheren und aufeinandergestapelt präsentiert: Ein schottischer Fischer bringt ein Gummiband an einer Hummerschere an. (23. Juli 2014)
Jacqueline Pietsch, AFP
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Beim Fleisch ist der Tierschutz bereits angekommen: Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten wollen wissen, wie ihr Geschnetzeltes und ihre Bratwurst produziert wurden, und sind auch bereit, für tierfreundliche Haltung mehr Geld auszugeben.

Bei Haute-Cuisine-Produkten zähle das Tierwohl leider nach wie vor wenig, gab der Schweizer Tierschutz (STS) heute in Zürich bekannt. Jedes Jahr würden rund 300 Tonnen Stopfleber, 200 Tonnen lebende Hummer, 90 Tonnen Froschschenkel und rund 450'000 lebende Frösche importiert.

Für den STS sind dies alles «Delikatessen aus der Folterkammer», wie er in einem 100-seitigen Tierschutzreport zu diesem Thema schreibt. Seit Jahren kämpft der STS gegen den Import und Konsum solcher Prestigeprodukte. Bisher mit durchzogenem Erfolg.

Stopfleber- statt Röstigraben

In den Wochen vor Weihnachten sind bei Delikatessenhändlern immer noch lebende Hummer zu kaufen, mit gefesselten Scheren aufeinandergestapelt. Dies, obwohl der Konsument das Tier rechtlich gesehen gar nicht selber töten dürfte. Denn dafür brauchte er gemäss STS einen Angelschein.

Auch Stopfleber verkauft sich noch immer gut – vor allem in der Romandie, wo der Grossteil der importierten 300 Tonnen gegessen wird. Daran Kritik zu üben, ist allerdings schwierig. «Das kommt dort gar nicht gut an», räumte Hans-Ulrich Huber vom STS ein. Foie gras sei in der Westschweiz ein beinahe unantastbares Kulturgut. «Es gibt einen regelrechten Stopflebergraben.»

Gastronomen uneinsichtig

Wenig Gehör finden die Tierschützer auch bei den Gastronomen, dies allerdings nicht nur in der Romandie, sondern in der gesamten Schweiz. Viele wollen sich nicht von Tierschützern diktieren lassen, was auf die Karte kommt und was nicht. Meist werde Tradition als Grund dafür angegeben, weshalb solche Delikatessen angeboten würden – und natürlich die Nachfrage durch die Gäste, sagte Huber.

Von der angeblich tierfreundlichen Foie gras, die seit einigen Jahren im Handel ist, hält der STS wenig. Es seien schon viele solcher Betriebe überprüft worden. Die Gänse und Enten würden immer noch in Massenhaltung leben. Zudem sei die Leber immer noch bis um das Zehnfache vergrössert und somit krankhaft.

Kritik übt der STS auch an Detailhändlern. Während Coop seit Jahren auf Foie gras verzichtet, gehört die Migros über ihre Tochterfirma Globus immer noch zu den grössten Foie-gras-Händlern in der Schweiz. Zudem verkaufen die Migros-Genossenschaften in der Westschweiz und im Tessin nach wie vor auch selber Stopfleber.

(SDA)

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