«Das wird sehr knapp ausgehen»

Rita Famos tritt morgen in Schaffhausen gegen Kirchenbundpräsident Gottfried Locher an. Ihre Kandidatur macht diesen nervös.

Von 2009 bis 2011 trat sie im «Wort zum Sonntag» auf: Herausfodererin Rita Famos-Pfander.

Von 2009 bis 2011 trat sie im «Wort zum Sonntag» auf: Herausfodererin Rita Famos-Pfander.

(Bild: Sophie Stieger)

Dölf Barben@DoelfBarben

Showdown am Tag des Herrn: Die 70 Abgeordneten werden morgen in Schaffhausen die Wahl haben. «Das allein ist schon ein grosser Erfolg», sagt Ruth Kremer-Bieri, Pfarrerin im Kanton Aargau. Und sie sagt: «Es wird sehr knapp ausgehen.» Viele Abgeordnete hätten sich bisher noch bedeckt gehalten. Kremer gehört zu jenen vier Frauen aus der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), die Rita Famos als Herausforderin portiert haben. Die 52-jährige Pfarrerin hatte sich erst Ende Mai entschieden, Gottfried Locher, den seit 2011 amtierenden Präsidenten des SEK-Rats, herauszufordern. Mittlerweile ist die Liste mit Personen, die Famos unterstützen, beachtlich lang.

Doch wer ist die Frau, die es innert Kürze fertig brachte, den Amtsinhaber aus der Reserve zu locken? Schliesslich gab Locher gegenüber den Medien zunächst keine Stellungnahmen ab. Erst vor wenigen Tagen entschloss er sich, Interviews zu geben. Und diese Woche erst schrieb er den Abgeordneten einen Brief, damit sie «direkt von mir hören». Kein Zweifel, Locher ist nervös.

Rita Famos-Pfander stammt aus dem Kanton Bern. Sie wurde in Zweisimmen geboren, wuchs in Utzenstorf auf, studierte in Bern, in den USA und im deutschen Halle Theologie. Ihr erstes Pfarramt übernahm sie in Uster, weil ihr Mann in St. Gallen studierte. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder. Seit 2013 leitet sie bei der Zürcher Kantonalkirche die Abteilung Spezialseelsorge. Von 2009 bis 2011 trat sie im «Wort zum Sonntag» auf. Und auch im SEK ist sie eine Insiderin: Zwischen 2011 und 2014 war sie Mitglied des Rats – unter Gottfried Locher.

Dirigentin Famos, Solist Locher

Doch worin unterscheidet sie sich von Locher? Famos spricht zuerst vom Amts- und vom Führungsverständnis und veranschaulicht dies anhand eines Orchesters. Sie sehe sich eher als Dirigentin, die mit den verschiedenen Registern am Klang arbeite. Locher sieht sie eher als Solisten, der zu Hause übe und sich dann vom Orchester begleiten lasse. «Beides ergibt schöne Konzerte», sagt sie.

«Urreformiert» ist für Famos das, was ihr vorschwebt: das gemeinsame Ringen um Positionen, an dem sich Theologen und Laien beteiligen. Locher habe sich zwar auch dazu bekannt, die geistliche Leitung bei den Schweizer Reformierten neu dem Präsidenten, dem Rat und der Synode zu übertragen und nicht alleine dem Präsidenten. Nonverbal irritiere er aber das reformierte Selbstverständnis weiterhin – etwa indem er das grosse Hugenottenkreuz trage.

Auslöser für ihre Kandidatur war die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vom 25. Mai. Locher war darin schlecht weggekommen – unter anderem wegen alter Aussagen zur Prostitution und zur angeblichen Feminisierung des Pfarrerberufs. Da sei ihr klar geworden, sagt Famos, dass gegenüber Locher «schwelender Unmut» vorhanden sei und es keine Gegenkandidatur gebe. Und in diesem Moment seien von zwei Seiten Leute auf sie zugekommen und hätten sie zu diesem Schritt ermuntert.

Dieser sei viel zu kurzfristig erfolgt, wird Famos nun da und dort vorgeworfen. Diese Kritik weist sie zurück: Es handle sich ja nicht um eine Volkswahl. «Ich bin der Ansicht, dass 70 Leute sich auch in relativ kurzer Zeit eine Meinung bilden können», sagt sie. Zumal sie den meisten ja bekannt sei.

Der Bund

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