«Das wäre ein extrem wirkungsvoller Anreiz»

Bundesrätin Doris Leuthard will freie Fahrt für Elektrofahrzeuge auf dem Pannenstreifen. Für ETH-Autoexperte Peter de Haan hätte dies nicht nur Vorteile.

Die erste Bundesrätin mit einem Elektroauto: Doris Leuthard neben ihrem Tesla.

Die erste Bundesrätin mit einem Elektroauto: Doris Leuthard neben ihrem Tesla. Bild: Sigi Tischler/Keystone

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Was halten Sie von Leuthards Vorschlag?
Das ist für mich in erster Linie eine Sicherheitsfrage. Mir ist nicht ganz klar, wie der Vorschlag umgesetzt werden soll, ohne dass der Verkehr gefährlicher würde. Als Experte für die Entwicklung der Mobilität in der Schweiz und den Verkauf von Fahrzeugen finde ich die Idee aber sehr interessant.

Inwiefern?
Die Umsetzung des Vorschlags wäre ein extrem wirkungsvoller Anreiz, um auf ein Elektroauto umzusteigen. Die Schweizerinnen und Schweizer sprechen nicht so stark auf Geldanreize an wie beispielsweise eine finanzielle Unterstützung beim Kauf eines Neuwagens. Der Erfolg von Tesla auf dem Schweizer Markt zeigt, dass viele bereit sind, 100’000 Franken für ein Auto hinzulegen. Wirksamer sind deshalb Anreize, die eine symbolische Komponente haben, die man nicht kaufen kann. Ich bin deshalb überzeugt, dass die Leute stark auf die Idee mit dem Pannenstreifen ansprechen würden.

Würde so auch der Verkehr entlastet?
Im Gegenteil. Man würde damit die Kapazität der Strassen erhöhen, was automatisch zu Mehrverkehr führt. Vielleicht könnte dadurch an gewissen Orten der Stau ein wenig entlastet werden, aber nicht merklich.

Was wären denn alternative Anreize für den Umstieg auf Elektromobilität?
In Norwegen, das mit Abstand den grössten Elektroauto-Anteil in Europa hat, zahlt man keine Parkgebühr, keine Motorfahrzeugsteuer und darf im Gegensatz zu den Benzinautos auf den Busspuren fahren. Dort ist der Verkauf in die Höhe geschnellt. In der Schweiz würden Anreize wie eigene Parkplätze nur für Elektrofahrzeuge ebenfalls ziehen. Die Besitzer würden auf diese Weise etwas bekommen, das die anderen nicht haben.

Die Schweiz liegt mit einem Elektroauto-Anteil von 1,7 Prozent auf Platz 5 in Europa. Wird sie diesen halten können?
Ja, die Schweiz wird sich weiterhin gut entwickeln im internationalen Vergleich. Sie hat den Anteil an Elektroautos im Gegensatz zu den europäischen Ländern vor ihr ohne staatliche Förderung erhöht – abgesehen von Motorfahrzeugsteuer-Erlassen in gewissen Kantonen. Unser Land ist also affin für Elektromobilität, auch weil viele bereit sind, etwas für ein neues Auto zu zahlen. Ich gehe davon aus, dass der Anteil Elektroautos bei den Neuwagen im Jahr 2021 etwa 10 Prozent betragen wird.

Also braucht es gar keine zusätzliche Förderung?
Eine finanzielle Förderung beim Neuwagenkauf braucht es nicht. Die Schweiz könnte allerdings in das elektrische Auftanksystem beziehungsweise die Lade-Infrastruktur investieren. Hier sind andere Länder weiter. Zum Beispiel gibt es Ladesäulen-Verordnungen, also Vorschriften, was eine elektrische Zapfsäule alles können muss, welche Stecker und Karten sie akzeptieren muss. In der Schweiz ist nichts dergleichen geplant. Zudem würden mit besprochenen Anreizen oder Privilegien Elektroautos gefördert. Diese müssen allerdings temporär sein und ein fix definiertes Ablaufdatum haben.

Wie realistisch sind Stromleitungen im Boden, dank denen sich Elektroautos künftig während des Fahrens aufladen können?
Ich glaube nicht, dass diese Idee je umgesetzt wird. Technisch wäre sie vielleicht in 30 Jahren möglich. Derzeit gibt es aber keine Elektrofahrzeuge, die das können, und man kann den Autoherstellern nicht vorschreiben, ob oder wie sie ein solches Auto bauen sollen. Und selbst wenn in frühestens zehn Jahren solche Autos auf den Markt kommen würden, müsste man noch alle Autobahnen umbauen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2016, 18:09 Uhr

Peter de Haan ist Dozent an der ETH Zürich für die Fachbereiche Energie und Mobilität.

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