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«Das ist die Niederlage der Strategie der Schweizer Bankwelt»

Luxemburgs Bereitschaft für den automatischen Informationsaustausch erhöht den Druck auf die Schweiz. Hiesige Experten sind sich über die genauen Folgen jedoch uneins.

Erneut richtet sich jetzt die internationale Aufmerksamkeit auf den Schweizer Finanzplatz: Ein Tram fährt über den nächtlichen Paradeplatz in Zürich. (Archivbild)
Erneut richtet sich jetzt die internationale Aufmerksamkeit auf den Schweizer Finanzplatz: Ein Tram fährt über den nächtlichen Paradeplatz in Zürich. (Archivbild)
Keystone

Die Entscheidung Luxemburgs zu mehr Transparenz in der Zinsbesteuerung wird den Druck auf die Schweiz erhöhen. Grosse Folgen für die Finanzindustrie hat dies aber nicht, sagt Rechtsexperte Jürg Birri.

«Ich glaube, dass der Druck bei der Zinsbesteuerung zunehmen wird. Nach der Ankündigung Luxemburgs bleibt noch Österreich, wo es die anonyme Abwicklung der Zinsbesteuerung im grenzüberschreitenden Geschäft gibt», sagt Birri, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma KPMG, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Diesbezüglich dürfte es in der EU Bewegung geben.

Bei der Diskussion geht es aber nur um Zinsen und deren Besteuerung. «Viele Schweizer Finanzinstitute haben die Produkte für ihre Kunden bereits so gestaltet, dass die EU-Zinssteuer häufig kein Problem ist», sagte Birri. Die Entscheidung Luxemburgs sei daher für die Schweiz nicht so gravierend. «Ich denke, dass auch Luxemburg für seine Entscheidung keinen so grossen Preis bezahlen wird», sagte Birri weiter.

SIF beobachtet Europa

Die Schweiz begrüsse grundsätzlich alle Schritte, die das Ziel hätten, eine faire Besteuerung sicherzustellen, liess das Staatsekretariat für Internationale Finanzfragen verlauten.

In der EU gebe es derzeit keine gefestigte Position der Mitgliedstaaten. «Die Schweiz hat sich bereits seit langem bereit erklärt, mit der EU über eine Ausweitung des Zinsbesteuerungsabkommens zu diskutieren, um Schlupflöcher zu stopfen», schrieb das SIF.

Die Schweiz beobachte die Entwicklung in der EU aufmerksam. Für die Beurteilung der Rahmenbedingungen flössen nicht nur Entwicklungen in der EU ein, sondern auch solche auf anderen global ausgerichteten Finanzplätzen in Amerika und Asien.

«Man hat Zeit verloren»

Für den Genfer Steueranwalt Philippe Kenel bedeutet die Entscheidung Luxemburgs hingegen das Ende des Bankgeheimnisses in Europa und in der Schweiz. «Das ist die Niederlage der Strategie der Schweizer Bankwelt», schätzt der Experte im Gespräch mit der sda die Lage ein.

Die Schweiz hätte schon 2009 und 2010 über einen automatischen Informationsaustausch verhandeln sollen, sagte Kenel. «Man hat Zeit verloren.» Der Druck werde steigen, und die Schweiz könne nicht mehr Nein sagen.

SDA/rbi

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