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Das Ende der Dekadenz

Immer mehr Gemeinden verzichten auf ein 1.-August-Feuerwerk – nicht nur aus Kostengründen.

Wird häufiger privat finanziert: Das 1.-August-Feuerwerk. (Foto: Keystone)
Wird häufiger privat finanziert: Das 1.-August-Feuerwerk. (Foto: Keystone)

Bei Erwin Schmidt ist die Vorfreude auf den 1. August getrübt: «Wir finden es schade, dass wir kein Feuerwerk mehr zünden dürfen», sagt der Präsident der Kulturkommission der Gemeinde Hochwald im Kanton Solothurn. Zum Abfeuern von schwererem Geschütz müsse man neu eine «Sprengexpertenprüfung» haben. Schuld sei der Bund mit seinen bürokratischen Auflagen, die immer strenger würden.

Genau genommen ist es die EU, von der die Schweiz die Feuerwerksregelung ab 2014 übernommen hat. Seither gilt: Wer ein Grossfeuerwerk zünden will, muss zuvor einen Spezialausweis erwerben. «Kurs Feuerwerk A (FWA)» nennt sich das im Fachjargon. Die eintägige Ausbildung kostet 500 Franken. Wer den Kurs absolviert, ist danach befugt, auch Feuerwerksbatterien abzufeuern – darunter sogenannte Töpfe, die meist zwischen 80 und 300 Effekten enthalten.

Sparpunkt Feuerwerk

Hochwald ist nicht die einzige Gemeinde, die aufgrund der bürokratischen Hürden auf ein traditionelles 1.-August-Feuerwerk verzichtet. Dies geht aus einer Befragung hervor, die der Schweizerische Gemeindeverband bei über 900 Gemeinden aus der Deutschschweiz und der Romandie durchführte. Das Fazit: Etliche Gemeinden sparen dieses Jahr beim Feuerwerk, 13 Prozent haben die Feier gleich ganz abgeschafft.

Die Gründe für die pyromanische Zurückhaltung sind vielfältig. Nebst den bürokratischen Hürden führen diverse Gemeinden auch Spargründe an. So etwa die Gemeinde Oberried (BE) am Brienzersee: «Wir versuchen, die Kosten zu senken. Das Feuerwerk ist sehr teuer», lässt die Gemeinde ausrichten. Stattdessen setzen Dörfer auf das kostengünstigere Höhenfeuer. In Höri ZH bietet man der Bevölkerung dieses Jahr eine «Feuershow» statt einem Feuerwerk. Kostenpunkt: 1500 statt wie bisher knapp 4000 Franken. Für eine 2500-Seelen-Gemeinde eine durchaus erhebliche Einsparung.

Aber nicht nur kleine Dörfer, sondern auch Städte streichen das kommunale Feuerwerk. Etwa Wetzikon, wo das 1.-August-Budget für dieses Jahr um ein Drittel reduziert wurde. Die Zürcher Gemeinde gibt allerdings nicht finanzielle Gründe an: «Aus Umwelt- und Tierschutzgründen wird auf ein offizielles Feuerwerk verzichtet», schreibt die Gemeinde. In der Bevölkerung habe es schon genügend Feuerwerk.

Wetzikon ist nicht die einzige Gemeinde, die das Feuerwerk auf Private auslagert. Oftmals sind es Turn- oder Frauenvereine, die sich als Feuerwerksorganisatoren profilieren können. Die Gemeinde Frauenkappelen BE hausiert quasi in der eigenen Bevölkerung: Alljährlich wird zu Privatspenden aufgerufen.

Viele Gemeinden verzichten auf eine aufwendige Feier, weil die Bevölkerung kaum mehr für ein gemeinsames Fest zu mobilisieren sei. Stattdessen werde vermehrt im privaten Rahmen gefeiert. Ob privat oder kommunal: Die Feuerwerks-Faszination bleibt ungebrochen. Grossverteiler wie Coop oder Migros vermelden, dass sich Raketen, Vulkane oder Frauenfürze nach wie vor gut verkaufen. Sämtliche Feuerwerkskurse, die der Schweizerische Feuerwehrverband in diesem Jahr organisierte, waren ausverkauft.

Eine 1.-August-Feier ohne Feuerwerk wird es also nicht geben. Statt durch eine grosse, kommunal organisierte Show wird der Himmel durch viele kleinere, private Feuerwerke erleuchtet.

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