Das Eigengoal der Bewegten

Die Gewalt in der Berner Reitschule gefährdet deren Zukunft.

Adrian Müller@mueller_adrian

Die Ausschreitungen in der Berner Reitschule vom Wochenende haben eines restlos klargemacht: Niemand hat die Kontrolle über das von Tausenden Nachtschwärmern frequentierte alternative Kulturzentrum. Wie sonst ist es zu erklären, dass Vermummte ungehindert auf das Dach der Reitschule steigen konnten, von dort Polizisten in einen Hinterhalt locken und sie mit Steinen bewerfen konnten? Wie sonst ist es möglich, dass sich die Täter nach dem Angriff ungehindert in der Reitschule verstecken konnten?

Der hauseigene Sicherheitsdienst – im Reitschule-Jargon «Wellness-Gruppe» genannt – kann und will sich offensichtlich nicht den Gewalttätern entgegenstellen. Dafür fehlt auch die Legitimation der Betreiber: Die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule distanzierte sich zwar von der Gewalt gegen Feuerwehrleute, nicht aber von den Attacken auf Polizisten.

Den Reitschule-Gegnern spielen die Ausschreitungen in die Hände. SVP-Nationalrat Erich Hess sprach von «bürgerkriegsähnlichen Zuständen». Er macht so Stimmung für seine kantonale Volksinitiative «Keine Steuergelder für die Berner Reitschule». Hess will der Stadt wegen Reitschule-Krawallen bis zu 50 Millionen Franken Kantonsbeiträge kürzen und damit die Schliessung der Reitschule erzwingen. In der rot-grünen Stadt Bern hat die Reitschule zwar noch Rückhalt. Aber selbst Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) signalisiert inzwischen, dass ihm die Geduld ausgeht. Der Ausgang einer kantonalen Volksabstimmung ist vollends ungewiss. Ausserhalb der Stadtgrenzen erodiert das noch vorhandene Verständnis für das Kulturzentrum.

DerBund.ch/Newsnet

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