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«Dann gehört er weg»

Die Nachricht vom neusten UBS-Skandal schockte in Bundesbern alle. Politiker kritisieren Kaspar Villiger scharf – auch Exponenten des Freisinns, für den der ehemalige Bundesrat zur Hypothek wird.

Hat alle Hoffnungen enttäuscht: UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an der Generalversammlung der Bank im April dieses Jahres.
Hat alle Hoffnungen enttäuscht: UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an der Generalversammlung der Bank im April dieses Jahres.

Nach dem Zwei-Milliarden-Betrug bei der UBS gehen FDP-Politiker auf Distanz zum früheren freisinnigen Bundesrat und heutigen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger. Dies berichtet heute die Zeitung «Der Sonntag». «Es gibt heute zwischen Villiger und der FDP keine Verbindung mehr», sagt Markus Hutter. Die Äusserung des FDP-Vizepräsidenten kommt einem Rauswurf aus der Partei gleich, deren Mitglied Villiger noch immer ist und für die er 14 Jahre lang in der Landesregierung sass.

In der FDP gilt Villiger, der den UBS-Posten angetreten hat, um der Bank eine neue Kultur zu verpassen, als gescheitert. Entsprechend heftig ist die Kritik am früheren Bundesrat. Einzig die exzentrische Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala gibt sich versöhnlich: Die ganze Angelegenheit gehe Villiger «persönlich sehr nahe», berichtet sie dem «Sonntag». In einem Telefongespräch mit Fiala habe sich Villiger zudem empathisch über Mitarbeiter und Aktionäre geäussert, auf die erneut schwere Zeiten zukämen.

«Ohne Kraft gegen Grübel»

Der alt-Bundesrat sei gescheitert mit seiner Mission, die UBS zu verändern, sagt FDP-Nationalrat Philipp Müller dem «Sonntag». «Villiger ist bereits an der Änderung der Boni-Kultur gescheitert, er hatte nicht die Kraft sich gegen Grübel durchzusetzen und ist eingeknickt», so Müller. FDP-Kantonsrat und Bankenvertreter Hans-Peter Portmann (ZH) sagt: «Das Verantwortungsbewusstsein globaler Institute gegenüber der Gesellschaft muss sich ändern, es wird sich ändern. Leider hat Villiger zu wenig bewirkt. Er ist mit seinem Vorhaben gescheitert, weil die Bankenwelt zu dieser Kulturrückkehr noch nicht bereit war.»

Unwohl war es der FDP von Anfang an: Als im März 2009 bekannt wurde, dass der alt-Bundesrat das Präsidium der angeschlagenen Grossbank übernimmt, habe dies in der Parteileitung für Unmut gesorgt, weiss der «Sonntag». FDP-Präsident Fulvio Pelli sei «stinksauer» gewesen, weil Villiger ihn nicht im Voraus über das «heikle Mandat» informiert habe, zitiert die Zeitung freisinnige Parteigänger.

Die SVP freute sich

Gefreut haben soll sich dem Vernehmen nach einer, der bis 2008 im UBS-Verwaltungsrat sass und die Krise der grössten Schweizer Bank mitverantwortet. «Danke, dass ihr von uns die UBS übernehmt», sagte sagte damals der SVP-Nationalrat und Milliardär Peter Spuhler zu seinem FDP-Ratskollegen Philipp Müller.

CVP-Ständerat Konrad Graber (LU) hat beobachtet, dass das UBS-Mandat den Ex-Magistraten verändert hat: «Als wir ihn letzten Mai in der Wirtschaftskommission anhörten, schien er mir von einem anderen Planeten zu kommen.» Graber: «Villiger ist zu einem Grossbanker mutiert, der kein Verständnis mehr hatte für politische Anliegen». Beat Walti, Präsident der Kantonalzürcher FDP, sagt: «Ich erwarte von Villiger, dass er jetzt hinsteht. Macht er ein Krisenmanagement, das den Namen verdient, kann der Schaden von der FDP noch abgewendet werden.»

Auch SP-Präsident Christian Levrat zeigt sich von Villigers Bilanz enttäuscht. In einem Interview mit dem «Sonntag» sagt er: «Villiger wurde UBS-Präsident, um eine Verbindung zwischen der Bank und der Schweiz sicherzustellen. Diese Aufgabe erfüllt er offensichtlich nicht.» Sollte sich bewahrheiten, dass die 2008 vom Staat gerettete UBS gegen den Franken spekuliert habe, müsse Villiger die Konsequenzen ziehen: «Dann gehört er weg.» Es sei nicht nachvollziehbar, dass Villiger als ehemaliger Bundesrat «einfach zuschaut, wie sein Konzernchef Grübel die Geldpolitik der Nationalbank demontiert und damit der Schweizer Volkswirtschaft schadet», sagt er ein dem Interview.

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