Licht aus um 16.30 Uhr

Unterdessen in Aarau: Erst wurde die neue Eisbahn als Musterbeispiel gefeiert – inzwischen herrscht nur noch Streit und Chaos.

Für die Junioren wird es immer schwieriger, in Aarau zu trainieren (Symbolbild). Foto: bigjohn36 (iStock)

Für die Junioren wird es immer schwieriger, in Aarau zu trainieren (Symbolbild). Foto: bigjohn36 (iStock)

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Angenommen, Sie bauen eine Eisbahn – worauf achten Sie? Auf die Finanzierung natürlich und auf das Eis. Ein moderner Zamboni sollte her und Plastikpinguine als Fahrhilfen für die Kleinsten. Ziemlich wichtig wäre wohl auch, dass Sie die Eisbahn benützen können, Türen sind hilfreich. Und Drehkreuze, durch die Besucher hindurchkönnen, nachdem sie Eintritt bezahlt haben. Was noch? Klar: vernünftige Öffnungszeiten, sodass überhaupt Besucher kommen, um Eintritt zu bezahlen.

In Aarau haben sie nicht gleich eine neue Eisbahn gebaut, aber die alte saniert. Fast alles ist neu, die Fassade, das Restaurant, die Garderoben, und das Aussenfeld für die Hobbyläufer ist praktischerweise überdacht. Schön ist sie geworden, die Kunsteisbahn Aarau, kurz Keba genannt, und die Bevölkerung in der Region kann stolz sein darauf. Zu den Kosten von 21 Millionen Franken haben zahlreiche Gemeinden in der Agglomeration ihren Beitrag geleistet. Die Keba galt als Musterbeispiel.

Leider steht die Keba nun vielmehr für eines der grössten Debakel in jüngerer Aarauer Zeit. Die Stadt quält sich ja schon länger mit einem Fussballstadion, das vom Volk zwar angenommen und doch noch immer nicht gebaut wurde, weil Anwohner dagegen vorgegangen sind. Und nun auch noch die Keba: Weil die Stadt bei der Baubewilligung die künftigen ­Betriebszeiten nur unzureichend beantragt hatte, gingen Beschwerden dagegen ein. Rund 100 waren es, vor allem von Anrainern, die sich am Lärm der ­Hockeycracks und Eisballerinas stören. Letztere sind ja für ihre laute Gangart bekannt.

Doch dann die Überraschung

Mitte Februar brach der schon länger schwelende Konflikt auf und gipfelte schliesslich darin, dass die Keba inzwischen um 16.30 Uhr schliessen muss. Der Eishockeyclub, immerhin in der 1. Liga daheim, steht vor dem Aus. Hunderte Junioren sind betroffen. «Irgendwelche Geister haben das Licht aus­geschaltet. Schade. Und unverständlich», schreibt ein Leser in der «Aargauer Zeitung».

Also sitzen wir an diesem Nachmittag nach vier in der Stadionbeiz der Keba beim Kaffee. Und warten. Bis zur Durchsage: «Geschätzte Besucher, die Halle ist ab 16.30 Uhr geschlossen. Das Aussenfeld ist heute bis 22 Uhr offen.» Eine Mutter, die ihre Tochter vorher noch ermunterte, kurz vor Torschluss doch noch einmal aufs Eis zu gehen, sagt erstaunt: «Bis zehn? ­Warum denn das?»

Ja, das ist eine gute Frage. Und es scheint keiner so genau zu wissen, was denn nun gilt. Die Besucherin so wenig wie die Chefin des Restaurants. Ein einziges Chaos sei das, sagt sie und zeigt ein Galgenhumorlächeln. Die leidige Sache stellt ihre Flexibilität auf die Probe. Während am Mittwoch längere Öffnungszeiten gelten, sind sie am Freitag etwa eingeschränkt – jedenfalls ein bisschen. Dann nämlich schliesst die Eisbahn und 16.30 Uhr und öffnet um acht wieder. Sie ahnen es wohl: affaire à suivre.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2017, 10:33 Uhr

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