Calmy-Rey sieht SP «zu weit weg von den Büezern»

Die Alt-Bundesrätin kritisiert ihre Partei als zu intellektuell und zu wenig bürgernah. Der Wahlsieg von Trump sei eine Reaktion auf die Angst vor einer globalisierten Welt.

Will zuerst vor der eigenen Tür kehren: Micheline Calmy-Rey an einer Diskussionsrunde über den Brexit an der Universität Genf. (24. Juni 2016).

Will zuerst vor der eigenen Tür kehren: Micheline Calmy-Rey an einer Diskussionsrunde über den Brexit an der Universität Genf. (24. Juni 2016).

(Bild: Keystone Salvatore di Nolfi)

Die frühere Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sieht das Wahlresultat in den USA als Antwort auf die Globalisierung. Und als Angst vor einer zunehmend globalisierten Welt. Die Verlockungen von Isolationismus, Protektionismus und die Wut der Vernachlässigten hätten den Ausschlag gegeben, sagt die Genfer Sozialdemokratin im Interview mit SRF. Dabei seien die Amerikaner nicht allein, sie verweist auf die Brexit-Abstimmung im Juni oder das Votum der Schweiz zur Masseneinwanderungsinitiative.

«Nicht alle sind reicher geworden»

Bei Sorgen, Ängsten und Vertrauensverlust wendeten sich die Menschen an Politiker, die ihnen Sicherheit verschafften, sagt Calmy-Rey. Und hier sieht sie bei ihrer Partei Nachholbedarf. «Wir müssen zuerst zuhören und diese Ängste ernst nehmen, und nicht sagen: ‹Das ist nicht wahr. Global geht es uns gut und die Statistik sagt, wir sind reicher geworden.› Aber nicht alle sind reicher geworden,» so die Sozialdemokratin.

Auch die Vermittlung der Inhalte kritisiert Calmy-Rey. Sie ist sich mit SP-Vizepräsident Beat Jans einig, dass die SP «zu intellektuell» und «zu weit weg von den Büezern» sei. «Wir Linken brauchen eine einfachere Rede, die man verstehen und der man mit Enthusiasmus folgen kann.»

Calmy-Rey zeigt sich von der Niederlage von Hillary Clinton persönlich betroffen – sie hatte die frühere US-Aussenministerin mehrfach getroffen. Die Wahl Clintons wäre ein «starkes Symbol» gewesen für die Frauen, sagte Calmy-Rey. Die Demokratin sei mit Geringschätzung, Argwohn und Sexismus behandelt worden.

sep

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