Bundesrat Cassis, bitte übernehmen Sie!

Die Schweiz muss sich mehr für die in der Türkei festgehaltenen Landsleute einsetzen.

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Es gibt schlimmere Regimes als jenes von Recep Tayyip Erdogan. Doch kein anderes Land behandelt schweizerische Staatsangehörige momentan so schändlich wie die Türkei. Mehrere türkischstämmige Personen, die seit Jahren in der Schweiz leben, werden am Bosporus festgehalten. Es gibt Sippenhaft. Kinder werden monatelang von einem Elternteil getrennt. Ein Nato-Staat fällt auf durch willkürliche Ausreisesperren, Pseudo-Strafverfahren, Einkerkerung. Er schikaniert Menschen, wo es nur geht.

Unternehmen die Schweizer Behörden genug, um den Betroffenenzu helfen? Es ist momentan schwierig bis unmöglich, zu beurteilen, wie hartnäckig und geschickt die Schweizer Diplomatie unter Aussenminister Ignazio Cassis agiert. Dies ist bislang ausschliesslich im Verborgenen geschehen. Und darin liegt ein Problem.

Bis heute wurde sogar die Zahl der Festgehaltenen unter Verschluss gehalten. Nun gibt sie das Schweizer Aussendepartement preis. Dieser gute erste Schritt schärft das Bewusstsein für einen gravierenden Missstand. Nicht besser macht die Sache, dass es vielen Menschen aus anderen europäischen Ländern in der Türkei ebenso ergeht. Doch dadurch bietet sich vielleicht ein Lösungsansatz. Im Europarat, wo die Türkei mitmacht, können die Mitglieder Druck machen. Aber auch ausserhalb müssen sie Klartext reden – inbesondere in direkten Gesprächen.

Ignazio Cassis hat in seinen ersten Monaten als Bundesrat zwar eine türkische Delegation empfangen. Danach wurde aber bekannt, dass er den Gästen versprochen hat, einen offiziellen Besuch inAnkara zu machen.

Cassis ist jenes Regierungsmitglied, das momentan am meisten Medienpräsenz geniesst. Doch ausgerechnet er hat in der Öffentlichkeit zu den massiv schikanierten Landsleuten geschwiegen.

Das kann er künftig kaum mehr tun.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.07.2018, 23:28 Uhr

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