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Bund eröffnet kurzfristig neue Asylunterkünfte

Alleine in Chiasso stellten am Wochenende 350 Personen einen Asylantrag. Doch nicht nur im Tessin gibt es Engpässe.

Engpass: Asylbewerber vor dem Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso. (23. Juli 2014)
Engpass: Asylbewerber vor dem Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso. (23. Juli 2014)
Keystone

In den vergangenen Tagen sind überdurchschnittlich viele Asylsuchende in die Schweiz gelangt. Im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso kam es deswegen zu Engpässen. Die Behörden stellten kurzfristig in Zivilschutzanlagen zusätzliche Unterbringungsplätze bereit.

In den vergangenen Tagen habe das Grenzwachtkorps an der Südgrenze eine ausserordentlich hohe Anzahl Personen festgestellt, die sich ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz aufhalten, teilte das Staatssekretariat für Migration (SEM) mit.

Viele Bootsflüchtlinge

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso habe alleine über das Wochenende rund 350 neue Eintritte von Asylsuchenden verzeichnet. Grund für den markanten Anstieg dürften laut SEM die vielen Bootsflüchtlinge sein, die in letzter Zeit in Süditalien landeten.

Bereits seit Mitte Mai werden überdurchschnittlich hohe Asylgesuchszahlen verzeichnet, wie das SEM schreibt. Diese seien nun nochmals weiter gestiegen: In der letzten Woche hätten 1044 Asylsuchende Einlass in einer Bundesunterkunft verlangt. Diese Situation führte zu Engpässen in den Asylstrukturen, vor allem in Chiasso.

Vorwiegend Menschen aus Eritrea

In der Region IV des Grenzwachtkorps, in der Chiasso liegt, wurden von Januar bis Mai 3150 «rechtswidrige Aufenthalter» registriert. Dies seien 45 Prozent aller an Schweizer Grenzen festgestellten Fälle, sagte der Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung Attila Lardori auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Allein in den ersten beiden Juni-Wochen seien an den Tessiner Grenzübergängen 610 Personen registriert worden, darunter 420 eritreische Staatsbürger. 70 bis 80 Prozent der in der vergangenen Woche festgestellten Personen hätten ein Asylgesuch gestellt, sagte Lardori.

Neue Plätze auch in der Deutschschweiz

Das SEM stellte deshalb in Zusammenarbeit mit den kantonalen und kommunalen Behörden neue Unterbringungsplätze bereit. Drei Zivilschutzanlagen im Tessin (Protezioni Civili di Chiesa, Stabio und Casa Giardino) wurden kurzfristig in Betrieb genommen. Insgesamt können dort rund 150 Personen untergebracht werden.

Zudem wurden mehrere Dutzend Personen in andere Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes gebracht. Auch in der Deutschschweiz seien in jüngster Zeit weitere 160 Plätze in Zivilschutzanlagen eröffnet worden, schreibt das SEM. Diese Massnahmen würden «je nach Bedarf diese Woche fortgesetzt».

Südgrenze verstärkt

Der Bund prüfe derzeit, ob weitere temporäre Unterkünfte in anderen Kantonen eröffnet oder erweitert werden können. Im Fokus stehe die Eröffnung von Notunterkünften rund um die Empfangs- und Verfahrenszentrum des Bundes sowie die Erweiterung der Aufnahmekapazität in bestehenden temporären Unterkünften.

Zusätzlich verstärkt das Grenzwachtkorps die Kontrollen an der Südgrenze. Mitarbeitende aus anderen Regionen werden an die Südgrenze verlegt. Das SEM hatte zu Beginn des Jahres mit 29'000 Asylgesuchen mit einer Bandbreite von plus/minus 2500 Gesuchen für 2015 gerechnet. Aufgrund der vielen anhaltenden Krisenherde in der Welt und aufgrund der Zunahme der Anlandungen in Süditalien könne jedoch ein weitergehender Anstieg der Asylgesuche nicht ausgeschlossen werden, teilte das SEM mit. Der Bund werde die Lage in den nächsten Monaten neu beurteilen.

(SDA)

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