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«Blochers Abgang wird nicht viel ändern»

Nur wegen Christoph Blocher haben sie einst die SVP-Sektion im Muotathal gegründet. Heute sagen die Stammgäste des Alpenrösli: Wir können auch ohne ihn weiter machen.

In manchen Dörfern liegt das politische Zentrum noch heute in der Dorfkneipe. Weit hinten im Muotathal sind es die Stammgäste des «Alpenrösli», die besonders viel zu sagen haben. Hier zapft Teilzeit-Gemeindepräsident Franz Föhn persönlich das Bier und jeden letzten Donnerstag im Monat kommen die 175 Mitglieder der SVP zum «Parteihock» zusammen, um über politische Themen zu beraten. Was sie im «Säli» oben entscheiden, hat Gewicht: Die SVP stellt vier von neun Mitgliedern im Gemeinderat.

Nichts ist mehr so, wie es war

Doch seit einigen Wochen ist im «Alpenrösli» nichts mehr so, wie es war, seit vor 13 Jahren einige Enthusiasten die Ortspartei gegründet hatten. Damals erschien vielen Muotathalern, denen das Fremde oft mehr als suspekt ist, ein Mann aus dem fernen Zürich als neue Lichtgestalt. «Blocher hat uns inspiriert», sagen die Gäste an diesem Mittwochabend. Mittlerweile haben sie jedoch die Beiz jedoch zu einem wahren Widerstandsnest gegen den einstigen Übervater verwandelt. Franz Föhn hat bei all seinen Gäste für das Referendum gegen die Personenfreizügigkeit geworben. «Gegen hundert Unterschriften haben wir hier gesammelt», sagt er. Viele Menschen im Tal würden es als Verrat werten, dass Blocher nicht mehr gegen den «Ausverkauf der Schweiz» kämpfe.

Die Ära des Zürcher Übervaters ist vorbei – daran zweifelt hier keiner mehr. «Es gibt nicht nur einen, der etwas kann», sagt Wendelin Schelbert, der Ortspräsident der SVP. «Jeder Politiker ist ersetzbar.» Sein Namensvetter und Parteisekretär, Armin Schelbert, ist gleicher Meinung: «Nun machen wir selbstständig vorwärts. Blochers Abgang wird in der Partei nicht viel ändern.» Es sei Zeit geworden, dass andere eine Chance kriegten. Letztlich gehe es um das Gedankengut, nicht um die Person.

Kein Wunder lehnen die Muotathaler SVP-Mitglieder die Strategie ab, noch einmal mit Blocher zu einer Bundesratswahl anzutreten: «Eine Kandidatur hätte nicht die geringste Chance», ist Roland Gwerder überzeugt. Der Präsident des lokalen Schwingclubs ist soeben mit seinen Mannen ins Restaurant getreten. «Als Kantonsrat habe ich bis heute nicht verstanden, welche Rolle wir als Oppositionspartei spielen sollten», erklärt er. Die SVP stelle im Kanton Schwyz 41 von 100 Sitzen. Bei dieser Grösse wäre es verantwortungslos, wenn die Partei nicht konstruktiv mitarbeiten würde. «Wir sind stolz darauf, in der Regierung vertreten zu sein», sagt Gwerder.

Eine stolze Vertretung der SVP wollen die «Alpenrösli»-Gäste auch im Bundeshaus sehen. Und zwar so schnell wie möglich. Als Kandidaten schlagen sie vor: Ueli Maurer, Caspar Baader, Adrian Amstutz oder Pirmin Schwander – «Hauptsache, es ist ein Hardliner», sagt Ortspräsident Schelbert. Mit einem Augenzwinkern fügt er an: «Ob Blocher noch ein Hardliner ist, bezweifle ich sowieso. Vielleicht müssten wir ihn sogar aus der Partei ausschliessen.» Über Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die von der SVP im Sommer verstossen wurde, fällt das Urteil am Stammtisch übrigens erstaunlich mild aus: Sie mache ihre Sache gar nicht so schlecht, heisst es. Ihr Ausschluss sei aber gerechtfertigt gewesen.

Neue Heimat bei der Auns

Obwohl sie einer Zukunft ohne Blocher optimistisch entgegensehen, sind sich die Muotathaler SVP-Männer bewusst, dass es für sie künftig schwieriger werden könnte: «Die Spitze haben wir wohl erreicht», sagt Sekretär Schelbert, «Wir müssen damit rechnen, dass wir wegen der Spaltung einige Prozent verlieren.» Die Motivation, für die Partei zu arbeiten, werde deshalb aber nicht kleiner. «Wir werden unser Engagement noch verstärken», verspricht er.

Einen Hinweis darauf, welches Schicksal der SVP bevorstehen könnte, gibt Ambros Betschart: «Ich bin zwar kein Parteimitglied», sagt der Besitzer eines Gipsergeschäfts. «Aber ich habe immer wieder für die SVP gespendet.» Damit sei nun Schluss. Kürzlich hat er seine Spende einer anderen Organisation überwiesen: «Nun unterstütze ich die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns)», sagt er. «Die haben wenigstens eine klare Linie.» Sollte dieses Beispiel Schule machen, würden der SVP bald von beiden Seiten die Leute wegrennen. Die liberalen Kräfte haben in der neu gegründeten Bürgerlich Demokratischen Partei (BDP) bereits eine neue Heimat gefunden. Und der rechte Flügel könnte sich den Schweizer Demokraten oder der Freiheitspartei zuwenden.

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