Blocher will weiterpoltern

Der Ruf der Zürcher SVP nach Mässigung stösst bei Christoph Blocher auf Widerspruch. Seine ehemalige Kantonalpartei ist ihm zu zahm geworden.

Lieferten sich einen Schlagabtausch: Christoph Blocher (rechts) und Moderator Roger Schawinski in dessen Sendung. (16. April 2018)

Lieferten sich einen Schlagabtausch: Christoph Blocher (rechts) und Moderator Roger Schawinski in dessen Sendung. (16. April 2018) Bild: Screenshot SRF

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Von 1977 bis 2003 polterte Christoph Blocher an der Spitze der Zürcher SVP. Die Kantonalpartei wuchs und wuchs – und trieb auch die nationale SVP vor sich her. Die Berner und Bündner standen mit ihrem Ruf nach einer bodenständig-anständigen Politik auf verlorenem Posten. Welch anderes Bild zeigt die SVP heute: Während gewichtige Zürcher SVPler ihr Glück in einer Mässigung sehen, hofft Blocher auf ein Aufwachen der Kantonalpartei.

Seit ihrem Grosserfolg bei den nationalen Wahlen von 2015 verliert die SVP wieder Wähleranteile. 0,6 Prozent büsste sie schweizweit bei kantonalen Parlamentswahlen ein, in den Zürcher Stadt- und Gemeindeparlamenten verlor sie in den letzten vier Jahren 25 von 125 Sitzen, wichtige Abstimmungen wie jene über die Durchsetzungsinitiative und das Energiegesetz gingen verloren. Parteipräsident Albert Rösti ist laut dem Schweizer Radio und Fernsehen «höchst alarmiert und besorgt». Doch wie aus dem Formtief finden?

Blocher poltert weiter

«Wir sollten weniger auf Protestwähler setzen», sagte der Zürcher Kantonalpräsident Konrad Langhart dem «Tages-Anzeiger» nach der Niederlage vom Sonntag. Dort, wo die SVP nicht Opposition sei wie den Städten Zürich und Winterthur, dürfe der Tonfall gemässigter sein. Weniger poltern also – doch was dann? «Wir müssen uns wieder besser verkaufen und aufzeigen, warum es sich lohnt, SVP zu wählen – anstatt nur Probleme aufzuweisen», sagte die Zürcher Nationalrätin Natalie Rickli der «Tagesschau».

Bei Christoph Blocher – der seit letztem Monat kein offizielles Parteiamt mehr innehat, aber den Kampf gegen die bilateralen Verträge und ein mögliches Rahmenabkommen mit der EU führt – stösst der Ruf nach Mässigung aber auf Widerspruch. Wie sich bei seinem Auftritt in der Talksendung «Schawinski» vom Montag zeigte, will Blocher weiterpoltern und erwartet von der Kantonalpartei und den Ortssektionen im Kanton Zürich dasselbe. So sagte er zu einem Inserat der Stadtzürcher SVP mit dem Slogan «Saustall Stadtrat ausmisten», das die Partei nach Kritik nicht mehr einsetzte: «Das war gar nicht schlecht.» Man müsse nur erst belegen, dass es einen Saustall gebe.

Hoffnung auf einen Weckruf

Der Mann, der den Stimmberechtigten das Bild des Saustalls bei den Wahlen vom nächsten Jahr zeichnen soll, ist bestimmt: der Berner Nationalrat Adrian Amstutz. «Ich kann Ihnen versichern, es wird etwas passieren», liess er sich in der «Tagesschau» vernehmen. Wie weiter aber mit den Zürchern? Dürfen sie sich innerhalb der SVP eigenständig positionieren, oder werden sie auf Kurs gebracht wie einst die Berner – ironischerweise von den Bernern Amstutz und Rösti? Blocher lässt sich wie gewohnt nicht in die Karten blicken, die Niederlagen müssten in der Partei besprochen werden. Seinen Segen haben die Zürcher aber nicht. «Viele Ortssektionen sind eingeschlafen, die Kantonalpartei geht nicht mehr voran.» Ein Weckruf seien die Wahlen vom Sonntag hoffentlich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2018, 11:54 Uhr

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