Bis zu 75 Franken AHV-Bonus für Frauen

Die CVP will den statistischen Lohnnachteil der Frauen mit einer Erhöhung der AHV teilweise ausgleichen. Im Durchschnitt ginge es um 50 Franken mehr pro Monat.

Das Rentenalter der Frauen soll an jenes der Männer angeglichen werden. Doch wie soll dieser Schritt kompensiert werden? Foto: PD

Das Rentenalter der Frauen soll an jenes der Männer angeglichen werden. Doch wie soll dieser Schritt kompensiert werden? Foto: PD

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Egal, wie die Diskussion um die Lohngleichheit nach der gestrigen Rück­weisung im Ständerat weitergeht: Sie wird einen Einfluss auf die Reform der AHV haben, weil die Frauen hier ebenfalls im Zentrum stehen. Konkret geht es um die Angleichung ihres Rentenalters an jenes der Männer von 65 Jahren. Umstritten ist die Frage, wie das Parlament diesen Schritt kompensieren soll. Einflussreiche FDP-Frauen um die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter schlagen inzwischen eine gezielte Rentenerhöhung für Frauen vor. Im Gegenzug wollen sie aber, dass das Parlament davon absieht, Unternehmen zu Lohnanalysen zu verpflichten. Mit diesen will der Bundesrat die Lohndiskriminierung von Frauen bekämpfen.

Die CVP hat schon einmal ein konkretes Modell für eine Rentenerhöhung allein für Frauen lanciert, das sie nun wieder einbringen will. Ihr Vorschlag will den statistischen Lohnnachteil, den eine Frau während ihres Berufslebens erlitten hat, bei deren Pensionierung in eine höhere AHV-Rente ummünzen. Frei übersetzt: Die AHV soll die Ungerechtigkeit nachträglich wenigstens teilweise wettmachen, indem eine Frau mit derselben Lohnkarriere eine höhere Rente bekommt als ein Mann.

Das Modell geht erstens von jenem Teil der Lohnungleichheit aus, der sich nach den offiziellen Statistiken nicht mit objektiven Faktoren wie Ausbildung oder Branche erklären lässt. Um genau diesen Faktor werden zweitens bei der Pensionierung einer Frau deren Einkommen aufgewertet, die massgebend sind für die Höhe ihrer AHV. Heraus kommt drittens: eine höhere Rente.

Höheres Rentenalter spart Geld

Im Unterschied zum noch vagen FDP-Ansatz lassen sich die Folgen des CVP-Vorschlags bereits beziffern: Im Durchschnitt erhielten Frauen eine Rentenerhöhung von 50 Franken im Monat. Je nach Rentenhöhe kann der Bonus bis zu 75 Franken monatlich betragen. Bei der Maximalrente wäre jedoch Schluss: Mehr als die Obergrenze von aktuell 2350 Franken pro Monat erhielten auch Frauen nicht. Leer ausgehen würden zudem die meisten verheirateten Frauen, da die Ehepaarrenten auf das 1,5-Fache einer Einzelrente begrenzt sind.

Diese Angaben gehen aus Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen hervor, das den CVP-Vorschlag vor zwei Jahren bereits durchgerechnet hat. Das Modell, das auf die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer zurückgeht, fand jedoch in der Debatte um die letzte, gescheiterte Rentenreform keine Mehrheit. Der relevante Lohnnachteil der Frauen betrug seinerzeit 8,7 Prozent, inzwischen sind es noch 7,6 Prozent.

Bereits bekannt sind auch die Kosten einer solchen Rentenerhöhung: Wenn man annimmt, dass nur die Neurent­nerinnen in den Genuss des Bonus kommen, da nur sie vom höheren Rentenalter betroffen sind, steigen die Ausgaben der AHV dadurch um rund 265 Millionen Franken jährlich (berechnet für 2030). Damit bewegt sich das Modell innerhalb des Kostenrahmens, den sich Exponenten von SVP und FDP vorstellen können. Mit dem höheren Frauenrenten­alter spart die AHV im Gegenzug rund 1,2 Milliarden Franken im Jahr.

Genügt der Zuschlag?

Die grosse Frage ist aber, ob ein solcher Zuschlag genügt, um die Frauen für das höhere Rentenalter zu erwärmen. «Nein», findet Nationalrätin Schmid-Federer, die Mutter des Modells, die auch Vorstandsmitglied des Frauendachverbands Alliance F ist. «Wenn SVP und FDP meinen, die Stimmung in der Bevölkerung habe sich bei dieser Frage völlig geändert, irren sie sich.» Die Skepsis sei nach wie vor hoch, es brauche eine grössere Kompensation in der AHV sowie verbindliche Verbesserungen für Frauen in der zweiten Säule.

Schmid-Federer geht weiterhin davon aus, dass eine AHV-Reform nur mit der SP gelingen kann. Deshalb spiele für sie persönlich auch die Lohngleichheit eine Rolle. Die Vorlage mit den Lohn­analysen, die der Ständerat nun zurückgewiesen hat, wäre für Schmid-Federer ein starkes Zeichen an die Frauen: «Dann kommen sie stärker unter Zugzwang, Rentenalter 65 zu schlucken.»

Und was sagt sie Männern, die sich über eine mögliche Benachteiligung in der AHV ärgern? Schmid-Federer weist sie auf ein weiteres Element ihres Modells hin: Der Bundesrat soll den Frauen­bonus regelmässig an die neuen statistischen Werte anpassen. Das heisst: Sollte der unerklärte Teil des Lohnnachteils der Frauen weiter sinken, nimmt auch ihr Zuschlag bei der Rente ab.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2018, 21:10 Uhr

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