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Bern wehrt sich gegen Radio SRF-Wegzug nach Zürich

Mit der Verlegung der Radio-Redaktion will die SRG drei Millionen Franken sparen. Gegen den Umzug formiert sich aber immer mehr Widerstand.

Die Radio-Journalisten fürchten, ein Umzug an den Fernsehstandort Zürich Leutschenbach (im Bild) würde sie marginalisieren.
Die Radio-Journalisten fürchten, ein Umzug an den Fernsehstandort Zürich Leutschenbach (im Bild) würde sie marginalisieren.
Christian Beutler, Keystone

Die SRG will sparen, wie sie nach der No-Billag-Abstimmung bekannt gegeben hat. Und zwar 100 Millionen Franken pro Jahr. Dies, weil der Bundesrat die SRG-Gebühren bei 1,2 Milliarden Franken plafoniert hat und gleichzeitig die Werbeeinnahmen wegbrechen. Der SRG-Verwaltungsrat prüft deshalb eine einschneidende Massnahme: Die Schliessung des Radiostudios in Bern, wo die Informationsabteilung einquartiert ist.

Rund 220 Journalisten und Techniker sollen nach Zürich ins Fernsehstudio Leutschenbach ziehen. Betroffen wären die Inland-, Ausland- und Nachrichtenredaktion und damit Sendungen wie das «Echo der Zeit» oder «Rendez-Vous». In Bern verblieben einzig die Bundeshausredaktion sowie das Regionaljournal Bern/Freiburg/Wallis.

Alle an einem Ort

Die SRG-Spitze begründet die Pläne mit Kostensenkungen: 3 bis 3,5 Millionen Franken liessen sich damit pro Jahr einsparen, heisst es in einer internen Mitteilung. Zudem könnten mit der Zusammenlegung Radio, TV-, und Online-Inhalte künftig am selben Ort hergestellt werden, was «klare publizistische Gewinne» bringe.

Denn auch in Zürich erfolgt eine Zusammenlegung: Spätestens im Jahr 2024 werden die Mitarbeiter des Zürcher Radiostudios Brunnenhof ebenfalls am Leutschenbach arbeiten.

Doch gegen die Schliessung des Radiostudios in Bern formiert sich breiter Widerstand. Da sind einerseits die Radio-Mitarbeiter selber, die den Umzug mit grosser Mehrheit ablehnen: Von rund 220 Mitarbeitern in Bern haben 174 eine Petition gegen die Verlegung unterschrieben. Daneben gehen auch die Berner Wirtschaftsverbände auf die Barrikaden, die meisten Kantonalparteien und jetzt auch noch nationale Politiker aller Couleur.

Angst vor Qualitätsverlust

SRF-Journalistin Priscilla Imboden ist Co-Präsidentin des Syndikats Schweizer Medienschaffender im Studio Bern und Mitglied der Gruppe Pro Radiostudio Bern. Deren Mitglieder befürchten, dass ein Umzug nach Zürich die Radio-Kultur marginalisiert, auf die man heute so stolz ist: Berichte, die in die Tiefe gehen und die Relevanz als zentrales Kriterium. Beim Fernsehen stehe dagegen das Bild im Vordergrund, bei der Online-Berichterstattung die Klickzahlen.

«Es drohen Qualitätseinbussen und ein Bedeutungsverlust», sagt Imboden. Dazu würden auch die ungleichen Kräfteverhältnisse zwischen Radio und Fernsehen beitragen, sind Personal und Budget beim TV doch um ein vielfaches höher.

Lieber gegen- als miteinander

Zudem würde durch eine Zusammenlegung längerfristig die strikte Trennung zwischen Radio und Fernsehen aufgelöst, glauben die Radio-Mitarbeiter. «Heute wissen wir nicht, welche Themen die Kollegen beim Fernsehen aufgreifen und umgekehrt», sagt Imboden. Man stehe in einem gesunden Konkurrenzverhältnis, was zu einer vielfältigen Medienlandschaft beitrage. «Die geballte Macht von Radio und Fernsehen am gleichen Ort wäre medienpolitisch bedenklich.» Auch sei unklar, wie die SRG auf Einsparungen in der Höhe von 3 Millionen Franken käme: «Diese Rechnung ist total intransparent.»

Und schliesslich würde eine Verlegung nach Zürich die Medienkonzentration weiter verschärfen. Bereits heute haben mit der NZZ-Gruppe, Ringier, den SRF-Fernsehstudios und Tamedia (die Inhaberin dieses Newsportals) vier nationale Akteure ihren Sitz in Zürich. «Es besteht die Gefahr, dass die nationale Politik nur noch aus Zürcher Sicht wahrgenommen wird», sagt Imboden.

Kritische Politiker stimmen in den Chor ein

Diese Angst teilen auch Politiker, die sonst eher SRG-kritisch sind: FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen nennt die Umzugspläne «befremdend». «Während der No-Billag-Debatte hat niemand gefordert, beim Radio zu sparen und die Standorte zusammenzulegen.» Bern nehme eine wichtige Brückenfunktion zur Romandie wahr, so der FDP-Politiker. Das sieht auch Grünen-Präsidentin Regula Rytz so.

Sie hat nebst Wasserfallen weitere Politiker aus der FDP, CVP, BDP und SP zusammengebracht, um Kontakt mit der SRG-Spitze aufzunehmen und diese zu einem Umdenken zu bewegen. Wobei der Widerstand längst nicht mehr nur aus Bern kommt, sondern auch aus Solothurn (FDP-Nationalrat Kurt Fluri), Freiburg (CVP-Ständerat Beat Vonlanthen) oder Zürich (SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr).

Keine Fusion geplant

Radio-Chefredaktorin Lis Borner unterstützt den Umzug – und widerspricht Imbodens Kritik, dass die Qualität der Radio-Berichterstattung dadurch leiden werde. «Relevanz ist der Massstab an allen SRF-Standorten», schreibt die Chefredaktorin in einer Stellungnahme. Klar sei, dass «Qualitäts- und Profilsicherung» sehr genau bedacht werden müssten. «Aber ich bin überzeugt von der Kompetenz der Radio-Info-Leute.» Zudem sei keine Fusion der Radio- und TV-Abteilungen geplant.

Im Bezug auf die Einsparungen von 3 Millionen Franken meint Borner, das seien erst grobe Schätzungen. Und der Kritik an der wachsenden Medienkonzentration in Zürich hält sie entgegen, dass ein Teil der Inlandredaktion in Bern bleibe, ebenso die Bundeshausredaktion und das Regionaljournal. «Im zentralen Bereich Innenpolitik würde die Bern-Perspektive also gewahrt bleiben.» Zudem verfüge das Radio weiterhin über Korrespondenten in der Westschweiz.

Generell sei die Prüfung des Standortwechsels nur ein Teil der laufenden Abklärungen. Fakt sei aber: Die SRG müsse sparen und die Chefredaktion Radio ihren Teil dazu beitragen. «Ich persönlich spare lieber bei den Immobilien als bei den Leuten.»

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