Der Bauerngewerkschaft geht das Geld aus

Im Herbst kommt die Volksinitiative von Uniterre zur Abstimmung. Doch in der Kasse der Organisation klafft ein Loch.

Uniterre-Demonstration im Sommer 2017 in Bern gegen die Schweizer Milchpolitik. Bild: Thomas Delley (Keystone)

Uniterre-Demonstration im Sommer 2017 in Bern gegen die Schweizer Milchpolitik. Bild: Thomas Delley (Keystone)

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Die Organisation Uniterre ist ein exotisches Gewächs in der schweizerischen Politlandschaft. Sie versammelt linke Bäuerinnen und Bauern hauptsächlich aus der Romandie. Sie versteht sich explizit als Gewerkschaft. Und sie kämpft auf ihrem Feld für eine radikale Schubumkehr; für höhere Preise, bessere Löhne und mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft; für mehr Bauernbetriebe; für eine ökologische und lokale Produktion von Lebensmitteln; und gegen den Freihandel und die Agrarindustrie. Bürgerliche Bauernvertreter im Bundeshaus halten in aller Regel Abstand zu Uniterre. Zu planwirtschaftlich sind ihnen deren Rezepte.

Jetzt aber betritt Uniterre die grosse Politbühne der Schweiz. Am 23. September kommt ihre Initiative für Ernährungssouveränität an die Urne, das bisher kühnste Projekt der Bauerngewerkschaft. Die Initiative will eine konsequente Förderung von einheimischer, ökologischer und sozialer Landwirtschaft in die Bundesverfassung schreiben. Das Ziel soll mit Importverboten und staatlich regulierten Lebensmittelpreisen erreicht werden. Unterstützt wird diese Forderung nur von der SP und den Grünen.

Doch die Gewerkschaft Uniterre hat sich mit der Initiative wohl übernommen. Der Organisation droht das Geld auszugehen – und zwar schon in wenigen Monaten. Mitglieder sprechen hinter vorgehaltener Hand von «dramatischen Zuständen».

«Aktuell fehlen uns etwa 50'000 Franken in der Kasse.»Rudi Berli, Vorstandsmitglied Uniterre

Bereits im Mai hat Uniterre Mitglieder und Sympathisanten mit einem öffentlichen Aufruf um Zuwendungen gebeten. «Uniterre steckt in finanziellen Schwierigkeiten», hiess es im Schreiben. «Wenn euch die Gewerkschaft am Herzen liegt, dann ist der Moment gekommen, um zu handeln. Jede Geste zählt.» Der finanzielle Engpass ist zwei Monate später nicht überstanden. Die Bauerngewerkschaft sei zwar nicht in ihrer Existenz bedroht, sagt Rudi Berli, Vorstandsmitglied von Uniterre. Aber man sei nicht über den Berg. «Aktuell fehlen uns etwa 50'000 Franken in der Kasse.» So viel benötige Uniterre, um die Strukturen drei Monate aufrechtzuerhalten. «Finden wir nicht bald eine Geldquelle, müssen wir im Oktober den Betrieb reduzieren und Personal abbauen.»

Der Geldmangel sei aber nicht allein auf das Volksbegehren zurückzuführen. Eine Volksinitiative sei für eine kleine Organisation ein ambitiöses Projekt, und Uniterre habe sehr viel Geld investiert, so Berli. Aber knappe Finanzen habe Uniterre auch früher immer wieder gehabt. «Wenn man als Gewerkschaft keine finanziellen Sorgen hat, dann läuft etwas falsch.» Für den Abstimmungskampf reiche das Geld auf jeden Fall noch, sagt Berli. «Wir haben ein eigenes Kampagnenbudget und mobilisieren alles, was wir können.» 

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2018, 20:49 Uhr

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