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«Auf den Strassen hier sieht man keine Burkas»

Bundespräsidentin Doris Leuthard traf sich während ihres Staatsbesuchs mit indonesischen Intellektuellen. Im Zentrum des Gesprächs stand die gesellschaftliche Rolle des Islams.

Ein warmer Empfang: Doris Leuthard wird im Präsidentenpalast von Susilo Bambang Yudhoyono empfangen.
Ein warmer Empfang: Doris Leuthard wird im Präsidentenpalast von Susilo Bambang Yudhoyono empfangen.
Keystone
Höchste Ehren: Bundespräsidentin Leuthard läuft die Ehrengarde ab.
Höchste Ehren: Bundespräsidentin Leuthard läuft die Ehrengarde ab.
Keystone
Klare Ziele: Die Schweiz möchte die wirtschaftlichen Beziehungen mit Indonesien vertiefen.
Klare Ziele: Die Schweiz möchte die wirtschaftlichen Beziehungen mit Indonesien vertiefen.
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In keinem anderen Land der Welt leben so viele Muslime wie in Indonesien: 88 Prozent der rund 228 Millionen Einwohner gehören dem Islam an. Bundespräsidentin Leuthard wollte am Mittwoch an einem informellen Treffen mit vier muslimischen Intellektuellen wissen, was den als tolerant und moderat geltenden Islam in Indonesien ausmacht.

Ihr Fazit: Indonesien habe es geschafft, dass sich die moderate Ausübung des Islam gegen radikale Strömungen durchsetze. «Auf den Strassen hier sieht man keine Burkas», sagte Leuthard nach dem Treffen in Jakarta.

Eine Anregung aus dem Gespräch will sie «in die Schweiz mitbringen»: In Indonesien werden Religionsvertreter von der Gemeinde- bis auf die Staatsebene auch in nichtreligiöse Themen einbezogen - etwa wenn es um Schule oder soziale Fragen geht. Dies könnte ein Vorbild sein für die Schweiz, weil man damit «den Dialog in den Vordergrund stellt», sagte Leuthard.

Der «Mainstream-Islam»

Für den Schweizer Botschafter in Indonesien, Heinz Walker- Nederkoorn, sind nicht zuletzt die beiden grossen islamischen Organisationen Indonesiens «ein politisch stabilisierender Faktor». Die grösste, Nahdlatul Ulama, hat 40 Millionen Mitglieder, die zweitgrösste - Muhammadyia - 30 Millionen. Beide sind gemässigt und sehen sich als staatstragend. Gemässigter Islam heisst in Indonesien übrigens «Mainstream Islam».

Schattenseiten gibt es freilich auch in Indonesien. So hat die Provinz Aceh, die vom Tsunami 2004 besonders hart getroffen wurde, das islamische Recht der Scharia eingeführt, das unter anderem harte Strafen für Ehebrecher vorsieht. Menschenrechtsorganisationen halten die Anwendung der Scharia für einen Bruch der indonesischen Verfassung.

Delikates Thema Minarette

Auch auf die Minarette kam die Wirtschaftsministerin zu sprechen - für die Schweiz ein delikates Thema, seit das Stimmvolk letzten November den Bau neuer Minarette verboten hat. Bereits am Dienstag war Leuthard vom indonesischen TV-Sender Metro TV auf die Angst der Schweizer vor den Moschee-Türmen angesprochen worden.

Die muslimischen Intellektuellen hätten ihr versichert, dass Minarette zumindest für sie persönlich kein Symbol und damit für die Religionsausübung nicht wichtig seien, sagte Leuthard. Zu den Teilnehmern des Gesprächs vom Mittwoch in Jakarta gehörten der Gründer des liberalen Islam-Netzwerks, Vertreter der Muhammadyia und die Tochter des früheren Präsidenten Gus Dur.

Nicole Meier/ sda/jak

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