Atom-Lobby fordert Bau neuer Kraftwerke

Nach der gescheiterten Atomausstiegsinitiative wittern AKW-Befürworter Morgenluft.

Soll durch eine neue Generation Kraftwerk ersetzt werden: Das AKW Gösgen. (Symbolbild)

Soll durch eine neue Generation Kraftwerk ersetzt werden: Das AKW Gösgen. (Symbolbild)

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Die «World Nuclear Association», die internationale Vereinigung der Atomindustrie, fordert in einer Stellungnahme, dass in der Schweiz wieder neue Atomkraftwerke gebaut werden dürfen. Die Schweizer Stimmbürger hätten am 27. November weise entschieden, schreibt Agneta Rising, Generaldirektorin der Vereinigung: «Es ist eine Botschaft an die Welt, dass die Schweizer nicht dem Beispiel der scheiternden Energiewende des Nachbarn Deutschland folgen wollen.»

Die Aussagen erstaunen insofern, als auch der Schweizer Energiekonzern Alpiq Mitglied der Vereinigung ist. Mitte Oktober hat er zusammen mit BKW und Axpo die Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue Kraftwerke zurückgezogen. «Energiepolitisch sind neue Weichen gestellt und der Bau neuer Kernkraftwerke dauerhaft verboten», teilt der Konzern, beteiligt an den Kraftwerken Gösgen und Leibstadt, mit. Der Atomausstieg folge mit der Energiestrategie 2050, hinter der Alpiq grundsätzlich stehe.

Neue Technologien nicht vom Tisch

Auch der Chef des staatlichen russischen Atomenergieunternehmens, Alexey Likhachev, wertet den Urnengang positiv. Laut russischen Medien sagte er am Dienstag in Moskau: «Die Abstimmung in der Schweiz beweist, dass europäische Staaten auch die Nuklearenergie entwickeln werden. Sie werden daran arbeiten, deren Bedeutung in ihrer Energieversorgung auszubauen. Es heisst, dass es neue Kraftwerke geben wird.»

Die aktuelle Generation von Atomkraftwerken habe künftig in der Schweiz zu Recht keine Chance mehr, sagt der ehemalige Alpiq-Chef Giovanni Leonardi in der «Schweiz am Sonntag». «Aber langfristig sind neue Technologien wie die sogenannte vierte Generation von Atomkraftwerken alles andere als vom Tisch.»

Atomdebatte «zu ideologisch beladen»

«Wenn die grossen Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt eines Tages vom Netz gehen, könnte das die Versorgungssicherheit im Land gefährden», so Leonardi. Spätestens wenn dann die Strompreise anstiegen, könnte die Atomenergie wieder zur Diskussion stehen, sagt er.

Auch für Hans Schweickardt, ehemaliger Präsident der Alpiq, ist die Atomkraft langfristig «keinesfalls gestorben». Aktuell sei die Atomdebatte zu ideologisch beladen, sagt er. Mit dem Nein zur Atomausstiegsinitiative bleibe nun erst einmal Zeit, vielleicht von dieser Ideologie etwas abzukommen und mehr Erfahrungen mit dem Umstieg auf erneuerbare Energie zu sammeln.

Erneuerbare nur dank Subventionen günstiger

Doch dies, so erwartet Schweickardt, sei nicht unbedingt nur positiv. Denn nur dank den Subventionen sei der Strompreis aus Erneuerbaren günstiger. Hinsichtlich der Energiekosten werde aber gegenüber dem Stimmvolk mächtig Augenwischerei betrieben, sagt Schweickardt in der «Schweiz am Sonntag».

chi

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