Armee verbietet Konsum legaler Hanfzigaretten

Die Armee reagiert auf den Boom von CBD-Hanf und verbietet das legale Gras – nur während Ausgang und Urlaub bleibt es erlaubt.

Rekruten der Infanterie stehen auf der grünen Wiese in Reih und Glied, aufgenommen am 17. Mai in der Infanterie RS 5 (Rekrutenschule) in Colombier, Kt. Neuenburg. Bild: Keystone/Christian Beutler

Rekruten der Infanterie stehen auf der grünen Wiese in Reih und Glied, aufgenommen am 17. Mai in der Infanterie RS 5 (Rekrutenschule) in Colombier, Kt. Neuenburg. Bild: Keystone/Christian Beutler

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«Die Nachfrage ist überwältigend, sodass wir mit der Produktion leider nicht nachkommen», schreibt die Herstellerfirma Koch & Gsell AG aus Steinach SG auf ihrer Website. Die Firma verkauft laut eigenen Angaben die «erste Hanf­zigarette der Welt». Möglich gemacht hat dies eine Gesetzesänderung: Seit August 2016 darf Cannabis als Tabakware in der Schweiz legal verkauft und konsumiert werden, sofern der Gehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) weniger als 1 Prozent beträgt. Der Wirkstoff THC ist für den berauschenden Effekt von Cannabis verantwortlich.

Der zweite wichtige Wirkstoff heisst Cannabidiol (CBD). Dieser wirkt entspannend und angstlösend. CBD ist in den legalen Hanf­tabakpro­dukten enthalten – und sorgt für deren Boom. Firmen, die CBD-Produkte in den Handel bringen, müssen dies beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) anmelden. Bisher haben 133 Firmen rund 300 Produkte angemeldet.

«Vom Fahren ist abzuraten»

Mit Skepsis wird diese Entwicklung in der Armee verfolgt. «Der Duft einer solchen Zigarette lässt sich von einem Joint nicht unterscheiden. Für Kader wird es schwierig, zwischen Konsum von legalem CBD und illegalem THC zu unterscheiden», berichtet ein Bataillonskommandant in der Zeitschrift «Schweizer Soldat». Auf diese Problematik hat die Armee inzwischen reagiert. In einer Weisung vom Juni verfügte Armeechef Philippe Rebord, dass der Konsum und Besitz von legalen Hanfprodukten während der Arbeits- und Ruhezeiten aus ­Sicherheitsgründen verboten wird. Widerhandlungen werden als Nichtbefolgung von Dienstvorschriften geahndet. Im Ausgang und im Urlaub sind Konsum und Besitz der Produkte zulässig. Ver­boten ist jedoch ein Konsum, der sich störend auf die folgende Arbeitszeit auswirkt. Damit werden legale Hanf­produkte in der Armee im Grundsatz dem Alkohol gleichgestellt.

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Armeechef Rebord stützt sich auf Empfehlungen des BAG. Dieses hält fest: «Vom Fahren unter dem Einfluss von CBD-Produkten ist abzuraten, denn der gesetzliche Grenzwert für THC von 1,5 Mikrogramm THC pro Liter Blut kann dabei schnell überschritten werden.» Zudem drohe Konsumenten wegen unterschiedlicher THC-Grenzwerte eine strafrechtliche Verfolgung im Ausland. Tatsächlich warnte der deutsche Zoll im Sommer von der Einfuhr von Schweizer Hanfzigaretten nach Deutschland. Cannabis sei in Deutschland ­verboten, Ausnahmen gebe es nicht.

Fälle von Drogenmissbrauch

Mit ihrer Nulltoleranzpolitik reagiert die Armee auch auf Drogenmissbrauch in ihren Reihen. So schloss die Militärjustiz im September das Verfahren zu einem Panzerunfall ab, bei dem vor sieben ­Jahren in Bure JU 26 Armeeangehörige verletzt wurden. Bei einem der Panzerfahrer wurden Rückstände von THC, Ecstasy und Kokain festgestellt. Die drei Angeklagten wurden teilweise schuldig gesprochen und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. Am WEF 2016 wurden zudem zwölf Soldaten positiv auf Cannabis getestet, fünf davon hatten auch Kokain konsumiert.

In der Folge forderte SP-Ständerat Daniel Jositsch vergeblich präventive Drogentests in der Armee – heute dürfen Soldaten nur bei einem konkreten Verdacht getestet werden. Die kleine Kammer stimmte der Motion zu, im Nationalrat scheiterte sie jedoch. Wie viele Fälle von Drogenmissbrauch in der Armee jährlich entdeckt werden, wird gemäss Verteidigungsdepartement nicht statistisch erfasst. Leichte Vergehen, etwa der Besitz von weniger als zehn Gramm Haschisch, werden von den Kompaniekommandanten mit Bussen und Arrest disziplinarisch geahndet. Schwere Verstösse werden der Polizei gemeldet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2017, 22:09 Uhr

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