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Am Ende wollte nur Lombardi

Die CVP wählt nächste Woche einen neuen Fraktionspräsidenten. Überraschungen wird es wohl keine geben: Trotz intensiver Suche nach Kandidaten bewirbt sich nur einer für das Amt.

Parteiintern umstritten: CVP-Ständerat Filippo Lombardi. (Archivbild)
Parteiintern umstritten: CVP-Ständerat Filippo Lombardi. (Archivbild)
Keystone

Ständerat Filippo Lombardi ist der einzige Kandidat für das Fraktionspräsidium der CVP. Dies teilte die Fraktion am Freitag mit. Lombardi dürfte damit Nachfolger von Urs Schwaller werden. Die Wahl findet in einer Woche statt.

Der scheidende Fraktionspräsident Urs Schwaller informierte die Fraktionsmitglieder am Freitag, wie er mitteilte. Die Wahl findet nächsten Freitag anlässlich der Klausurtagung der Fraktion in Flüeli-Ranft (OW) statt.

Kommission führte viele Gespräche

Urs Schwaller, der die Fraktion seit 2005 leitete, hatte im vergangenen Frühjahr bekannt gegeben, dass er auf 2014 als CVP-Fraktionspräsident zurücktreten werde. Mitte der Legislatur sei der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen, begründete er den Schritt. Der Wechsel im Fraktionspräsidium erfolge so rechtzeitig vor den Wahlen 2015.

Schwaller sagte bei der Rücktrittsankündigung, er hoffe auf möglichst viele Interessierte. Die Partei habe nun genügend Zeit, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Am Ende wollte jedoch nur Lombardi. Dies erstaune ihn, sagte Schwaller am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die CVP hatte eine Findungskommission eingesetzt, die mit verschiedenen Personen Gespräche führte. Wer alles zur Diskussion stand, wollte Schwaller nicht sagen. Als Kronfavorit war der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof gehandelt worden. Dieser erklärte jedoch öffentlich, er sei nicht interessiert. Auch Nationalrat Gerhard Pfister (ZG) und Ständerat Konrad Graber (LU) winkten ab.

Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass die CVP-Fraktion nächsten Freitag einen anderen Kandidaten als den offiziellen wählt. Dieser müsste aber bereit sein, die Wahl anzunehmen, gibt Schwaller zu bedenken.

Lombardi braucht absolutes Mehr

Für die Wahl braucht Lombardi das absolute Mehr der Stimmen. Schwaller geht davon aus, dass er diese Hürde schafft, obwohl der Tessiner Ständerat parteiintern umstritten ist. Ihm würden vor allem alte Geschichten vorgeworfen.

Lombardi war verschiedentlich wegen Alkohols am Steuer in die Schlagzeilen geraten und musste sich vor dem Richter verantworten. Dies sei vor 2005 gewesen, betont Schwaller. Seither habe das Tessiner Stimmvolk Lombardi zweimal zum Ständerat gewählt. Ausserdem habe er im vergangenen Jahr die kleine Kammer präsidiert. Werde Lombardi kommenden Freitag gewählt, habe er zwei Jahre lang Zeit zu beweisen, dass er dem Amt gewachsen sei.

Das mangelnde Interesse am Fraktionspräsidium erklärt sich der scheidende Präsident vor allem mit der zeitlichen Belastung. Mindestens ein Tag pro Woche sei für das Amt erforderlich. Viele mögliche Kandidatinnen und Kandidaten seien beruflich bereits ausgelastet.

Ausserdem sei das Amt zwar hochinteressant, aber «nicht nur angenehm». Fraktionspräsidenten hätten oft mit Schwierigkeiten zu tun, stellt Schwaller fest. Sie müssten vermitteln und führen - und sich selbst zurücknehmen, etwa bei parlamentarischen Vorstössen. Dies liege nicht allen. Die CVP werde in den nächsten Jahren darüber diskutieren müssen, wie die Bereitschaft für solche Ämter erhöht werden könnte.

Politiker, Medienmensch und Eishockey-Fan

Lombardi wurde am 29. Mai 1956 in Bellinzona TI geboren. Er studierte Recht und Wirtschaftspolitik in Freiburg, wurde parallel dazu Vizepräsident der Jugendbewegung der CVP Tessin. Ab 1981 war er sieben Jahre lang als Generalsekretär der Europäischen Jungen Christdemokraten in Brüssel tätig.

Anschliessend zog es ihn in die Tessiner Medienwelt: Für zehn Jahre bestimmte er als Direktor die Themen der katholischen Tageszeitung «Giornale del Popolo». Im Jahr 1996 gründete er den Tessiner Privatsender «Teleticino».

Seine grosse Popularität im Tessin verdankt Lombardi aber nicht nur seiner politischen und journalistische Aktivität, sondern auch seinem Engagement für den Eishockey-Club Ambri-Piotta.

Als Präsident der «Bianco-Blu» kämpft er um Finanzen, internationale Talente und gegen den drohenden Abstieg aus der National League A. Seit 1999 sitzt Lombardi im Ständerat, wo er sich dezidiert für die Interessen des Südkantons einsetzt.

(SDA)

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