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Alternativlos überflüssig

Das Wort «liberal» ist das neue politische Gleitmittel für alle und alles.

Alle schmücken sich heute im Schönheitswettbewerb der Tagespolitik mit bunt schillernden liberalen Federn. Foto: Keystone
Alle schmücken sich heute im Schönheitswettbewerb der Tagespolitik mit bunt schillernden liberalen Federn. Foto: Keystone

Natürlich sind wir liberal! Aber wir sind auch verwirrt. Sehr verwirrt.

Denn die Debatte um das Burkaverbot zeigt: Liberale sind dagegen. Liberale sind aber auch dafür. Alle aus Gründen, die man urliberal nennen könnte. Über eine staatlich zu verordnende Kleidervorschrift streiten sich heutzutage tatsächlich Leute, deren liberalen Kompass man bisher für untrüglich gehalten hatte. Zum Bespiel der Chefredaktor der NZZ mit seinem CEO. Nur dass die beiden natürlich nicht streiten, sondern als wahre Liberale einander zu ihren tollen liberalen Argumenten gratulieren.

Nur gehört ihnen das Wort liberal selbstredend längst nicht mehr exklusiv. Auch der Zürcher SP-Regierungsrat Mario Fehr ist liberal und fordert ein Burkaverbot, um die liberale Gesellschaft zu stützen. Aber Fehr ist nicht liberaler als die Jungsozialisten, die im Namen liberaler Freiheitsrechte gegen den Burkaverbots-Liberalen Fehr kämpfen.

Liberal als politischer Lock- und Weckruf ist jetzt also auch dort angekommen, wo vorher das Wort nur spitzfingrig mit Vorsilben angefasst wurde, und zwar mit dem Ziel, den (liberalen) politischen Gegner tüchtig anzuschwärzen: marktliberal, neoliberal, fundamentalliberal.

Das Resultat: Alle schmücken sich heute im Schönheitswettbewerb der Tagespolitik mit bunt schillernden liberalen Federn. Das Wort liberal ist, um mit der christlich-demokratischen wahren Liberalen Angela Merkel zu sprechen, alternativlos geworden.

Logisch, dass es damit gleichzeitig überflüssig geworden ist. Zur Unterscheidung von politischen Richtungen oder von Politikern taugt das Wort heute jedenfalls nicht mehr. Wir können es getrost aus unserem Wortschatz streichen.

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