Alle profitieren von weissem Geld

Würden alle Privatpersonen ihr Einkommen versteuern, würden Bund, Kantone und Gemeinden 20 Milliarden Franken mehr einnehmen – jedes Jahr.

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Über 12'000 Personen haben sich vergangenes Jahr in der Schweiz angezeigt, weil sie ihr Geld nicht versteuert haben, und es zeichnet sich ab, dass es dieses Jahr noch mehr werden; das Steueramt des Kantons Zürich jedenfalls musste bereits mehr Personal einstellen, damit es die Flut von Anzeigen überhaupt bewältigen kann.

Es ist allerdings bei den wenigsten Schwarzgeldbesitzern die späte Reue, welche sie zu Tausenden auf die Steuerämter treibt, sondern der Druck von aussen: Bereits sammeln die Banken in der EU und in zehn weiteren Staaten im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs Daten von ihrer Schweizer Kundschaft, ab 1. Januar werden sie sie in die Schweiz schicken.

Vor dieser Drohkulisse wurden auf den Steuer­ämtern bereits grosse Summen offengelegt. Der Kanton Zürich und seine Gemeinden nahmen alleine im vergangenen Jahr zusätzlich 69 Millionen Franken ein, im Kanton Bern waren es 15,5 Millionen Franken. Das ist jedoch nur ein Bruchteil dessen, was die öffent­liche Hand einnehmen könnte: Würden alle Privatpersonen ihr Einkommen versteuern, so berechnete einst SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen aufgrund von Daten zweier Wirtschaftsprofessoren, würden Bund, Kantone und Gemeinden 20 Milliarden Franken mehr einnehmen – jedes Jahr.

Mit diesem Geld hätte der Bund die Neat bauen können.

Profitieren würden alle davon – auch die heutigen Schwarzgeldbesitzer. Mit diesem Geld könnten zum Beispiel die Renten gesichert werden, und es reichte auch noch für zwei zusätzliche Ferienwochen für alle Inländerinnen und Inländer. Mit diesem Geld hätte der Bund aber auch die Neat bauen können. Oder er könnte damit die Mehrwertsteuer aussetzen – sämtliche Produkte und Dienstleistungen würden für alle bis zu 8 Prozent günstiger.

Auch wenn sich Bund und Kantone nicht ansatzweise darüber einig sind, wie lange sich jene Steuerhinterzieher selber ungestraft anzeigen können, die ihr Schwarzgeld im Ausland verstecken – in den meisten Kantonen bleibt ihnen noch genügend Zeit, um aus ihrem schwarzem Geld weisses zu machen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2017, 22:38 Uhr

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