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Alle ehemaligen Verdingkinder sollen fixen Betrag erhalten

Betroffene und Behördenvertreter haben sich auf die Einrichtung eines Solidaritätsfonds zu den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen geeinigt. Das Geld soll hauptsächlich vom Staat stammen.

Über wie viel Geld dieser Fonds verfügen wird, steht noch nicht fest: Ehemalige sogenannte Verdingkinder an einem Gedenkanlass für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen mit Bundesrätin Simonette Sommaruga (rechts) in Bern. (11. April 2013)
Über wie viel Geld dieser Fonds verfügen wird, steht noch nicht fest: Ehemalige sogenannte Verdingkinder an einem Gedenkanlass für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen mit Bundesrätin Simonette Sommaruga (rechts) in Bern. (11. April 2013)
Peter Klaunzer, Keystone

Für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen soll ein hauptsächlich staatlich finanzierter Solidaritätsfonds eingerichtet werden. Dies beschloss der sogenannte Runde Tisch zu diesem Thema an seiner vierten Sitzung, wie das Bundesamt für Justiz mitteilt.

Über wie viel Geld dieser Fonds verfügen wird, stehe noch nicht fest. Alle Opfer sollten einen einheitlichen Betrag erhalten. Aus Sicht des Gremiums könnten die Opfer zudem zusätzlich Leistungen der Sozialversicherungen erhalten – etwa Zahlungen der IV.

Der Staat solle sich nicht nur mit Worten bei den Opfern entschuldigen, heisst es in der Mitteilung. Die Bundesversammlung hat diese Woche ein Gesetz verabschiedet, welches die sogenannt administrativ versorgten Menschen rehabilitiert. Es sieht aber keine finanzielle Entschädigung für die Opfer vor.

Soforthilfefonds zahlt ab September Geld an Opfer

Der Solidaritätsfonds und weitere geplante Massnahmen erfordern eine gesetzliche Grundlage, die gemäss der Mitteilung erst in drei bis vier Jahren geschaffen werden kann. Aus diesem Grund wird wie bereits bekannt ein Soforthilfefonds geschaffen.

Dieser Fonds wird zu einem grossen Teil mit kantonalen Lotteriegeldern finanziert und soll über 7 bis 8 Millionen Franken verfügen.

Er wird von der Glückskette verwaltet und wird Geld an Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen auszahlen, die sich in finanzieller Not befinden – nach früheren Angaben jeweils zwischen 4000 und 12'000 Franken.

Gesuche können ab Juni 2014 eingereicht werden, wie es in der Mitteilung heisst. Bereits ab September könnten erste Zahlungen erfolgen.

Bund entschuldigte sich bei den Opfern

An der Sitzung in Bern diskutierte der Runde Tisch zudem über die Grundzüge seines Schlussberichts, den das Gremium Anfang Juli den Behörden vorlegen wird. Es geht darum, die Geschichte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen im vergangenen Jahrhundert aufzuarbeiten.

Zu den Betroffenen gehören so genannte Verdingkinder – Kinder und Jugendliche aus armen Familien, die bei Bauern untergebracht wurden und teilweise unter schwierigen Bedingungen hart arbeiten mussten.

Zudem geht es beispielsweise um Personen, die von Behörden gegen ihren Willen in Heime oder Strafanstalten eingewiesen wurden; oder Menschen, die zwangsweise sterilisiert wurden oder ein Kind abtreiben mussten.

Als Opfer gelten Menschen, deren physische, geistige oder sexuelle Integrität durch die von Behörden verfügten Massnahmen verletzt wurde. Der Delegierte des Bundes, Luzius Mader, schätzte die Zahl der Betroffenen auf 10'000 bis 15'000. Wie vielen Menschen genau Leid widerfuhr, werde bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung untersucht, sagte Mader auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat sich vor gut einem Jahr im Namen der Landesregierung für das begangene Unrecht entschuldigt und den Runden Tisch eingesetzt. Teil dieses Gremiums sind Vertreter des Bundesamts für Justiz, der Kantone und der Opfer.

(SDA)

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