AKW Leibstadt ist nach Fehlstart erneut am Netz

Der Reaktor hat nach einer eingetretenen Fehlfunktion zum zweiten Mal seit Freitag den Betrieb aufgenommen.

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Das Atomkraftwerk Leibstadt AG ist wieder am Netz. Der Reaktor, der wegen einer Fehlfunktion an der Abgasanlage am Samstag abgeschaltet worden war, wurde heute wieder hochgefahren.

Es war das zweite Wiederanfahren innerhalb weniger Tage. Nachdem die Anlage am Freitag nach einem halben Jahr Stillstand wieder eingeschaltet worden war, musste sie in der Nacht auf Samstag von Hand wieder abgeschaltet werden. Grund war eine über das Wochenende behobene Fehlfunktion in der Abgasanlage im Maschinenhaus. Bevor es am Freitag wieder angeschaltet worden war, hatte das Atomkraftwerk wegen oxydierter Brennstäbe rund ein halbes Jahr lang stillgestanden. Die Brennstäbe waren zeitweise ungenügend gekühlt gewesen.

Stillstand kostete 200 Millionen Franken

Seit dem 2. August 2016 stand das Kernkraftwerk Leibstadt still. Allein die Betriebsausfallkosten belaufen sich auf fast 200 Millionen Franken, wie der «Sonntags-Blick». Denn produziert das KKL keinen Strom, kostet dies nach Angaben der Betreibergesellschaft eine Million Franken pro Tag. Seit August macht das 199 Millionen Franken Betriebsausfallkosten.

Hinzu kommen für letzten Freitag bis zum Aufschalten um 17.33 Uhr rund 731’250 Franken. Ausgaben für die Überprüfung der Brennstäbe und die Verschiebung der Hauptjahresrevision sind dabei nicht eingerechnet. Nach wenigen Stunden wurde das KKL in der Nacht zum Samstag wieder vom Netz genommen. Der Grund: eine Fehlfunktion in der Abgasanlage. Am Montagabend soll das Kernkraftwerk wieder ans Netz angeschlossen werden.

Nur ein halber Tag am Netz

Am Freitagnachmittag wurde das AKW Leibstadt eingeschaltet, in der Nacht auf Samstag ging es bereits wieder vom Netz. Die Ursache liege in einer Fehlfunktion in der Abgasanlage im nicht-nuklearen Bereich, wie die Kernkraftwerk Leibstadt AG mitteilte.

Das Werk war erst am Freitagabend nach einem halbjährigen Stillstand wegen oxidierter Brennstäbe wieder ans Netz gegangen. Einen Zusammenhang mit dieser Abschaltung gibt es gemäss Mitteilung vom Eidgenössischen Nuklearinspektorat (ENSI) nicht.

Korrekturmassnahmen beim Hochfahrprozess

Bei der Inbetriebnahme des AKWs wurden Funktionstests durchgeführt, um die Anlage sukzessive auf Betriebsleistung zu bringen, wie die Kernkraftwerk Leibstadt AG mitteilte. Weil die Abgasanlage nicht ordnungsgemäss funktionierte, wurde die Anlage wieder manuell abgeschaltet und geordnet heruntergefahren.

Eine Sprecherin des Kernkraftwerks teilte auf Anfrage der sda mit, dass nach einem längeren Stillstand Korrekturmassnahmen beim Hochfahrprozess zu erwarten seien. Auch das ENSI schreibt, dass es nichts aussergewöhnliches sei, wenn es beim Wiederauffahren eines Kernkraftwerkes zu solchen Ereignissen komme.

Schutz von Mensch und Umwelt gewährleistet

Die Aufsichtsbehörde hat das Ereignis auf der Internationalen Ereignisskala INES vorläufig der Stufe 0 - Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung - zugeordnet. Der Schutz von Mensch und Umwelt sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen.

Die Abgasanlage ist für die Filterung der Abgase aus dem Kondensator zuständig. Der Kondensator befindet sich im Maschinenhaus im nicht-nuklearen Teil der Anlage. Die Abgasanlage wird über das Wochenende in Stand gesetzt.

Das ENSI hatte am Donnerstag die Freigabe für den Leistungsbetrieb des AKW Leibstadt gegeben, allerdings in leicht reduziertem Umfang. Das Werk war zuvor seit der Jahreshauptrevision im vergangenen August wegen oxidierter Brennstäbe stillgestanden. Die Brennstäbe waren zeitweise ungenügend gekühlt gewesen.

Fragen aus Deutschland

Die Freigabe für den Leistungsbetrieb beunruhigt nicht nur Umweltorganisationen und Parteien. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Umweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, kritisierte heute den Entscheid des ENSI. Es sei «bedauerlich», dass das Kraftwerk wieder ans Netz gehen dürfe, «obwohl die Ursachen für die Schäden an den Hüllrohren nicht restlos aufgeklärt zu sein scheinen».

Nach ihren Angaben hat ihr Ministerium um ein Gespräch mit dem ENSI gebeten, um die technischen Hintergründe für die Entscheidung «nachvollziehen» zu können. Sie hoffe auf ein möglichst baldiges Gespräch, «denn die deutsche Bevölkerung in der Grenzregion ist sehr besorgt», fügte Schwarzelühr-Sutter hinzu.

Auch das deutsche Bundesland Baden-Württemberg und das österreichische Bundesland Vorarlberg setzten sich in den vergangenen Tagen für einen Aufschub der Inbetriebnahme ein.

Protestaktion

Die Freigabe wird heftig kritisiert. Am Samstag haben die Grünen vor dem AKW eine Protestaktion durchgeführt. Sie fordern, dass das AKW nicht in Betrieb genommen wird, bis die Ursachen für die Brennelementschäden geklärt sind.

Der Entscheid des ENSI, das Wiederanfahren des AKW Leibstadt zu bewilligen, sei unverantwortlich, teilten die Grünen mit. «Das ENSI stellt damit den Profit der AKW-Betreiber vor die Sicherheit der Bevölkerung und versagt dort, wo es nicht versagen darf.»

Die Grünen fordern daher die Stärkung der Atomaufsicht, damit diese ihre Aufgaben «korrekt erfüllen» könne. Schon am Donnerstag, kurz vor der Freigabe durch das ENSI, wurde der Behörde eine von den Grünen lancierte Petition mit 16'000 Unterschriften übergeben, die ebenfalls eine restlose Aufklärung der Ursachen fordert.

woz/oli/sep/sda

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