«Ah, die Christa geht schon zur Arbeit»

Die Feministin strickt einen Pussyhat, der Moderator fragt, ob der Kampf gegen die männliche Unterdrückung nicht langsam vorbei sei. So verlief die Emanzipations-«Arena».

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Das Fazit der «Arena» vom Freitag ist: Den Pussyhat, den Feministin Nadja Schnetzler in der Sendung gestrickt hat, kriegt Moderator Jonas Projer geschenkt. Kein Wunder: Die Teilnehmer der Runde haben ihre Meinungen gemacht und lassen sich nicht von den Argumenten ihrer Gegner überzeugen – auch nicht mit einer pinken Mütze.

Projer sagt zu Beginn: «Frauentag, Frauenstreik, Emanzipation – das sind doch heute alte Zöpfe.» Der prominenteste «Arena»-Gast in der Woche des Frauentags ist Christa Rigozzi. Die frischgebackene Mutter legt sich ins Zeug für mehr Denken ohne Geländer.

«Beide Geschlechter haben etwas davon»

Rigozzis Hauptargument für die Emanzipation ist schnell begründet: «Die Mütter, die zuhause bleiben, sollen zuhause bleiben», sagt sie. «Wir sagen nicht, die Mütter müssen zur Arbeit gehen. Aber die Mütter, die zuhause bleiben, sollen nicht sagen, ah; die Christa geht schon zur Arbeit.»

Rigozzi, die Anfang Jahr Mutter von Zwillingen wurde, steht seit knapp zwei Wochen wieder voll im Berufsleben. SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr steht auf ihrer Seite. Die Frauenbewegung findet sie zwar ein wenig nostalgisch. Doch es würden sich jetzt viel mehr Männer am Engagement beteiligen. «Fehlende Gleichstellung der Frauen ist auch fehlende Gleichstellung der Männer», sagt sie. «Es ist eine Befreiungsbewegung, die beide Geschlechter angeht und von der auch beide etwas haben.»

Keine Karriere, weniger wert?

«Sollte die nicht bei den Kindern sein?» lautete der Titel der «Arena» und SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler fand: Ja. Es sei immer am Besten, wenn die Familie für die Kinder schaue. Auch ist sie davon überzeugt, dass zu viel Auflehnung kontraproduktiv sei und die Männer benachteiligt sein könnten.

Marco Giglio, Präsident des Vereins Helvetia Christiana, sieht noch mehr Gefahren in der Emanzipation. Er macht sich Sorgen, dass zu viel Druck auf Frauen ausgeübt werde. Man müsse aufpassen, dass «sie» nicht das Gefühl hätten, «wenn ich nicht Karriere mache, bin ich weniger wert.»

18-Jährige will auch als Mutter weiterarbeiten

Während Feministin, Journalistin und Autorin Nadja Schnetzler weiterstrickt, meldet sich eine 18-jährige Zuschauerin zu Wort. Sie wolle nicht in eine Zukunft gehen und wissen, dass sie mit Arbeiten aufhören müsse, wenn sie ein Kind bekomme. Denn wenn ihr Partner bei gleicher Arbeit mehr verdiene, sei klar, dass der aufhöre, der weniger verdiene.

Geissbühlers Argument, die Frauen müssten sich zur Wehr setzen und notfalls gerichtlich gegen die Lohnungleichheit vorgehen, lässt die 18-jährige Kauffrau nicht gelten: Es gebe Frauen, die sich ihres Rechts nicht bewusst seien. Und Frauen, die Angst davor hätten, zu ihrem Chef zu gehen und zu sagen, «du kannst mich nicht so behandeln.» Geissbühler entgegnet der 18-Jährigen, wenn Frauen schon alles wollten, dann müssten sie sich durchsetzen.

oli

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