«Wir haben nicht genügend Spezialisten in der Schweiz»

Calvin Grieder, Chef des Technologiekonzerns Bühler, sorgt sich wegen des Ja zur Zuwanderungsinitiative um seine ausländische Belegschaft. Jeder Vierte der 2500 Mitarbeiter in Uzwil ist kein Schweizer.

Hat die Internationalisierung bewusst vorangetrieben: Blick auf den Hauptsitz der Bühler AG in Uzwil (SG).

Hat die Internationalisierung bewusst vorangetrieben: Blick auf den Hauptsitz der Bühler AG in Uzwil (SG). Bild: Keystone

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Die Technologiekonzern Bühler beschäftigt in Uzwil SG rund 2500 Mitarbeitende; jeder Vierte davon ist kein Schweizer Bürger. Bühler-CEO Calvin Grieder macht sich nach dem Ja zur SVP-Initiative «Gegen Masseneinwanderung» Sorgen um seine Belegschaft.

«Wir haben in der Schweiz nicht genügend Spezialisten», sagte Grieder heute am Rande der Bilanzmedienkonferenz in Uzwil. Zusammen mit der ETH sei Bühler daran, Nachwuchs für die Industrie auszubilden. Durch die Wiedereinführung der Kontingente wird es nicht nur für ausländische Firmen, sondern auch für Schweizer Unternehmen schwieriger, ausländisches Personal einzustellen.

24 Prozent keine Schweizer

Bühler ist in 140 Ländern tätig und beschäftigt weltweit über 10'000 Mitarbeitende. «Wir haben einen grossen Bedarf an Personalrotation», sagte Grieder. In Uzwil sind 24 Prozent der 2500 Mitarbeitenden keine Schweizer.

Auch der Verwaltungsrat der Bühler Group ist nicht rein schweizerisch zusammengesetzt: Die Generalversammlung erweiterte das Gremium um die beiden neuen Mitglieder Linda Yang aus China und Frank N.J. Braeken aus Belgien – «im Sinne einer gezielten Internationalisierung».

110'000 offene Stellen in der Schweiz – Handwerker sehr gefragt

Nicht nur der Bühler-Chef, auch die gesamte Schweizer Wirtschaft befürchtet, dass Arbeitskräfte in den nächsten Jahren knapper werden könnten. Bereits heute gibt es 109'899 offene Stellen in der Schweiz. Jede fünfte Vakanz betrifft einen Handwerksjob, bei jeder neunten Stelle wird jemand in Führungsposition gesucht. Dies geht aus den jüngsten Zahlen des Unternehmens x28 hervor, das regelmässig einen Überblick über offene Stellen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt liefert. Die Zahlen hatte die «Neue Zürcher Zeitung» heute veröffentlicht.

Gegenüber dem vierten Quartal 2013 ist dies laut x28 nur ein leichter Rückgang, als 114'641 Stellen unbesetzt waren. Die hohe Zahl der Vakanzen von Mitte Januar ist insofern überraschend, als dass die Wintermonate als besonders schwierig am Arbeitsmarkt gelten.

Vorgeschmack auf Kampf um Kontingente

Die aktuellen Vakanzen liefern einen Vorgeschmack, welche Branchen Ansprüche auf die Verteilung der Kontingente erheben könnten. Alleine in der IT-Branche und im Gesundheitswesen waren Mitte Januar 5602 respektive 5042 Stellen unbesetzt. Daneben haben besonders der Detailhandel (3739), das Baugewerbe (3688) und die Gastronomie (3185) überproportional viele offene Stellen.

Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative dürfte die Personalsuche für Arbeitgeber generell aufwendiger werden. Zu spüren bekommen werden dies auch die Basler Pharmakonzerne. Novartis und Roche rangieren auf den Plätzen 2 und 3 bei jenen Arbeitgebern mit dem grössten Personalbedarf. Sie haben 338 respektive 234 Vakanzen. Den Spitzenrang belegt laut x28 die UBS, die mehr als 400 offene Stellen aufweist.

Nicht überraschend gibt es klare regionale Unterschiede. Am meisten Stellen ausgeschrieben sind mit 23'447 demnach im Kanton Zürich, gefolgt von Bern (11'056), Aargau, Luzern und der Stadt Basel (alle rund 5600). Insgesamt zeigt sich, dass städtische Kantone und jene mit grossen Agglomerationen überproportional viele Vakanzen haben.

Führungskräfte, Akademiker und Techniker gewünscht

Wie wichtig Erwerbstätige aus dem EU-Raum für den Schweizer Arbeitsmarkt sind, zeigt auch ein Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) vom vergangenen Juni. So hat der Anteil der Beschäftigten aus dem EU-Raum zwischen 2002 und 2012 um 5 Prozentpunkte auf 22 Prozent zugenommen.

Dabei entfallen 60 Prozent dieses Zuwachses auf Führungskräfte, akademische Berufe und Techniker. Ein weiteres Drittel machen Beschäftigte in Dienstleistungs- und Verkaufsberufen sowie Hilfsarbeitskräfte aus.

Das Unternehmen x28 sucht alle relevanten Websites nach offenen Stellen mehrmals täglich ab. Jeweils zur Mitte des Quartals werden alle gesammelten Daten analysiert und ausgewertet. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen geht x28 direkt auf die Websites der Firmen und der Personaldienstleister. (rbi/sda)

Erstellt: 11.02.2014, 15:18 Uhr

Hat eine internationale Belegschaft: Bühler-Chef Calvin Grieder an der heutigen Bilanzmedienkonferenz. (11. Februar 2014) (Bild: Keystone )

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