Wie sauber ist der Strom an der E-Tankstelle?

Ein E-Auto macht erst wirklich Sinn, wenn es auch mit Ökostrom betrieben wird. DerBund.ch/Newsnet hat die Ladestationen-Betreiber abgefragt.

An den meisten öffentlichen E-Tankstellen mit einem Zugangs- und Abrechnungssystem gibt es Strom aus erneuerbaren Quellen. So auch bei dieser Tesla-Ladestation in Dietlikon. Bild: Gaetan Bally / Keystone

An den meisten öffentlichen E-Tankstellen mit einem Zugangs- und Abrechnungssystem gibt es Strom aus erneuerbaren Quellen. So auch bei dieser Tesla-Ladestation in Dietlikon. Bild: Gaetan Bally / Keystone

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Fast 15'000 Elektrofahrzeuge sind heute auf Schweizer Strassen unterwegs. Das ist natürlich im Vergleich zum gesamten Autobestand immer noch ein Klacks, betrug doch der E-Fahrzeug-Anteil bei den verkauften Autos im Jahre 2017 bloss 2,7 Prozent.

Doch die Zahl der neu zugelassenen E-Autos steigt Jahr für Jahr. Zudem drängt die Zeit: Ab 2020 gilt ein CO2-Grenzwert von durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer für Neuwagen. Mitte Februar hat die Vereinigung Automobil-Importeure, Auto-Schweiz, aufgezeigt, wie die Autobranche dies erreichen will. Unter dem Titel «10/20» gab der Verband sein «ehrgeiziges» Ziel für die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs aus. So soll im Jahr 2020 jeder zehnte neu immatrikulierte Personenwagen ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid sein.

Abgesehen davon, dass die Reichweitenangst, der höhere Preis oder die bescheidene Modellauswahl noch immer viele Interessenten vom Kauf eines Elektroautos zurückschrecken lassen, fehlt es an Lademöglichkeiten. So hat eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ergeben, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz deswegen «vom Durchbruch der Elektromobilität noch weit entfernt» seien. Als vorbildlich gelten Städte wie Oslo und Amsterdam, wo 488 respektive 650 Einwohner auf eine öffentliche Ladestation kommen.

Relativ geringe Dichte an E-Stationen

Zum Vergleich: In der Schweizer Stadt mit der höchsten Dichte, St. Gallen, kommt mit 25 Ladestationen eine E-Tankstelle auf 2992 Einwohner. In Zürich ist es eine auf 18'139 Einwohner. Insgesamt gibt es laut Marktbeobachtern 3000 bis 4500 öffentliche E-Tankstellen hierzulande.

Doch Elektromobilität hat noch einen weiteren Haken. Elektroautos sind zwar lokal emissionsfrei, aber ihre ökologische Verträglichkeit hängt abgesehen von der energieintensiven wie umweltschädlichen Herstellung der Batterie auch von der Art des Stroms ab, mit dem das Auto geladen wird. Hinlänglich bekannt ist die Erkenntnis, dass ein rein mit Kohlestrom geladenes Elektroauto eine schlechtere Klimabilanz aufweist als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor.

Es stellt sich darum die Frage nach der Herkunft der Elektrizität an den E-Tankstellen. Für den Konsumenten ist dies aber auf den ersten Blick nicht klar, weil der entsprechende Hinweis bei den Zapfsäulen fehlt. Zudem lassen sich die E-Tankstellen auch nicht bei den üblichen Online-Ladesäulenfindern wie E-stations.de, Plugfinder.de, Chargemap.com oder Lemnet entsprechend filtern.

Rund 1500 E-Stationen mit Ökostrom

Deshalb haben wir die grossen Schweizer Anbieter angefragt, welche Art von Strom an ihren E-Tankstellen erhältlich ist. Das erstaunliche Ergebnis: Bei der grossen Mehrheit der öffentlichen E-Tankstellen mit einem Zugangs- und Abrechnungssystem gibt es Strom aus erneuerbaren Quellen. Der grösste Anbieter ist die Lausanner Greenmotion mit ihrem Ladenetz Evpass. Das Netz umfasst rund 800 Stationen in 22 Kantonen und 283 Gemeinden, momentan werden 200 weitere Stationen installiert. «Mehr als 95 Prozent unserer Ladestationen werden mit zertifizierter erneuerbarer Energie von örtlichen Lieferanten versorgt», sagt CEO François Randin. Künftig sollen die Kunden online überprüfen können, welche Art von Strom jeweils an einer Ladestation zur Verfügung steht.

Der zweitgrösste Betreiber von E-Tankstellen ist die national agierende Move Mobility AG aus Freiburg, die zusammen mit regionalen Energieunternehmen wie Alpiq, BKW, Groupe E, EBM oder CKW aktuell rund 350 eigene Ladestellen anbietet. Auch hier gibt es ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen, wie CEO Ivo Brügger bestätigt. Ein weiterer grosser Player auf dem Markt ist Swisscharge. Die Gossauer Firma hat für rund 190 E-Tankstellen die Software geliefert. «Unsere zwei grössten Kunden, die Basler IWB und die Energie 360° AG mit Sitz in Zürich, betreiben ihre Stationen mit Ökostrom», heisst es bei Swisscharge. Die beiden machen rund die Hälfte der Swisscharge-Ladestationen aus.

Der vierte grosse Anbieter ist Repower aus dem Kanton Graubünden mit schweizweit 120 Ladestationen – auch hier stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen. Das gilt im Übrigen auch für die fast 20 Supercharger-Ladestationen von Tesla.

Und dann gibt es noch wohl einige Tausend E-Tankstellen von einer Vielzahl von Anbietern, die aus Marketingüberlegungen teils kostenlos Strom zur Verfügung stellen. So zum Beispiel die Migros, Aldi, Lidl, Ikea, die Raiffeisen-Bank, aber auch BMW oder die Amag. Wie gross der Anteil von Ökostrom in diesem Segment ist, ist ohne eine Vollerhebung nicht eruierbar. Als Beispiel lässt sich die Migros erwähnen, die heute an 30 Standorten ihren Kunden, während sie ihre Einkäufe tätigen, kostenloses Aufladen ermöglicht. Nach Angaben der Migros wird mittlerweile etwa die Hälfte der E-Tankstellen mit jeweils lokal produziertem Sonnenstrom betrieben. Ziel sei es, dass künftig alle mit Ökostrom betrieben werden.

Preislich hält sich der Unterschied zwischen herkömmlichem und nachhaltig produzierten Strom in Grenzen. Laut Greenmotion kostet Ökostrom 1,5 bis 2,5 Rappen mehr pro Kilowattstunde (kWh). «Für einen elektrischen Kleinwagen oder einen Tesla macht das etwa 25 Rappen respektive 1.60 Franken aus», sagt François Randin.

Öko-Vignette für die ganz Umweltbewussten

Für besonders Umweltbewusste gibt es seit 2012 die Ökostrom-Vignette in Form eines Aufklebers. Der Preis ist abhängig von Fahrzeugkategorie und Fahrdistanz. Beim Auto kosten 10'000 Kilometer etwa 100 Franken. Damit wird sichergestellt, dass selbst für die, die ihr Fahrzeug mangels Alternative zu Hause, am Arbeitsplatz oder einer öffentlichen Ladestation mit «Dreckstrom» laden müssen, im gleichen Umfang «Naturmade Star»-Strom produziert wird. Dabei handelt es sich um besonders umweltschonende Energie, bei der sich die Stromanbieter verpflichten, beispielsweise Flüsse zu renaturieren. Laut dem Anbieter wurden bis heute 8000 Vignetten verkauft.

Die grosse Unbekannte bleibt aber der Strombezug zu Hause. 90 Prozent der E-Autos werden gemäss dem Elektromobilitätsverband der Schweiz eMobility zu Hause geladen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.05.2018, 11:37 Uhr

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