Wer die No-Billag-Debatte auf Social Media dominiert

Seit Wochen liefern sich Befürworter und Gegner einen gehässigen Abstimmungskampf. Eine Auswertung zeigt, welches Lager online die Nase vorn hat.

Aktiv auf Twitter: Olivier Kessler, Co-Präsident der No-Billag-Kampagne (Bildmitte), während einer Sitzung des Initiativteams. Bild: Keystone

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Selten wurde ein Abstimmungskampf so intensiv geführt wie derjenige zur No-Billag-Initiative. Vor allem auf den sozialen Plattformen liefern sich Befürworter und Gegner gehässige Diskussionen. Seit Anfang September – das war mehr als ein halbes Jahr vor der Abstimmung – wurden laut dem Politik-Blog Politan rekordverdächtige 60’000 Tweets mit dem Hashtag #nobillag verschickt. Zum Vergleich: Zu allen Abstimmungen im vergangenen Jahr (#abst17) gab es nur 20’000 Tweets.

Aktivitäten haben sich verdreifacht

Politan hat sich die No-Billag-Aktivitäten auf Twitter seit Beginn der Debatte angeschaut. Die Auswertung zeigt, dass sich der Abstimmungskampf in den letzten Monaten deutlich verschärft hat. Wurden im Oktober noch durchschnittlich 217 Tweets pro Tag verschickt, waren es im Januar bereits 630 Tweets oder fast dreimal mehr.

Auch Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier mischen mit. Verhältnismässig spielen sie aber eine kleine Rolle: Sie verschickten nur 707 der insgesamt über 60’000 Tweets. Am stärksten beteiligen sich SP-Politiker an der Debatte, gefolgt von Vertretern der SVP und der Grünen.

Besonders geprägt wird der Abstimmungskampf von Medienschaffenden. Allein die zehn aktivsten Journalisten sind für 19 Prozent aller Tweets verantwortlich. Doch wer jetzt denkt, dass damit schon klar und deutlich sei, welches Lager den Ton angebe, hat nur teilweise recht.

Mithilfe eines Machine-Learning-Algorithmus hat Politan die einzelnen Tweets klassifiziert und so jeweils der Pro- oder Kontra-Seite zugeordnet. Die Resultate zeigen, dass die Initiativbefürworter den Abstimmungskampf auf Twitter zwar früher lancierten und anfangs klar und deutlich dominierten. Doch die Gegner von No Billag haben in den letzten Wochen eine veritable Aufholjagd hingelegt.

Anfang Oktober 2017 (Woche 40) war die Pro-Seite noch für fast 97 Prozent der Tweets verantwortlich. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Gegner aber immer aktiver. Ende Januar betrug der Abstand zwischen den beiden Lagern nur noch 16 Prozent. Von einer Dominanz der Initiativbefürworter kann also nicht mehr die Rede sein – im Gegenteil: Der Trend zeigt mit näherkommendem Abstimmungstermin ziemlich deutlich in die andere Richtung.


Video: Das Best-of zur «No Billag»-Arena

Die besten Szenen aus der Abstimmungs-«Arena» zu No Billag vom Freitagabend. (Video: Tamedia/SRF)


Dies deckt sich auch mit der Entwicklung bei den Meinungsumfragen: Anfangs waren die No-Billag-Befürworter im Hoch, gemäss der jüngsten Erhebung des Forschungsinstituts GFS Bern von Ende Januar würden derzeit jedoch 60 Prozent ein Nein in die Urne legen.

Kontra-Seite vom Algorithmus unterschätzt

Die Auswertung offenbart eine Schwäche, auf die Politan selbst hinweist. So ist das Modell gezwungen, eine binäre Entscheidung zu treffen. Es muss die Tweets also einem der zwei Lager zuordnen, auch wenn es in der Debatte um No Billag auch Stimmen mit differenzierten Ansichten gibt oder solche, die lediglich Informationen teilen und als neutral eingestuft werden sollten.

Politan geht davon aus, dass die Kontra-Seite vom Algorithmus unterschätzt wird und die Anteile der zwei Lager weniger weit auseinanderliegen, als es die Auswertung suggeriert. In dieser Hinsicht bestehe noch Optimierungspotenzial bei der nächsten Analyse, schreiben die Autoren.

*Im ursprünglichen Post von Politan wurden die Labels (Pro und Kontra) aus Versehen vertauscht und so von uns übernommen. In der aktuellen Version wurde dies korrigiert.


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.02.2018, 14:45 Uhr

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