Wasserkraft lohnt sich nicht

Zu tiefe Strompreise: Von 25 untersuchten Grosswasserkraft-Projekten sind 24 nicht rentabel. Schuld seien marktverzerrende Subventionen für erneuerbare Energien, sagt der Bund.

Staumauer beim Projekt Linthal. (5. Juli 2011)

Staumauer beim Projekt Linthal. (5. Juli 2011) Bild: Keystone

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Grosswasserkraft-Projekte lassen sich im aktuellen Marktumfeld praktisch nicht wirtschaftlich betreiben. Dies zeigt eine Studie des Bundesamtes für Energie. Die tiefen Preise gefährden nach Einschätzung der Strombranche die Rentabilität der Wasserkraft.

Das Bundesamt für Energie (BFE) nahm 25 geplante, aber noch nicht realisierte Grosswasserkraft-Projekte von acht Energieunternehmen unter die Lupe. Bei den Projekten handle es sich etwa um Staumauererhöhungen, sagte BFE-Vizedirektor Daniel Büchel bei der Vorstellung der Studie.

Das Resultat: 24 der 25 Projekte sind im aktuellen Marktumfeld mit sehr tiefen Strompreisen nicht wirtschaftlich. Das heisst, die Investoren erhalten während der Laufzeit der Kraftwerke eine durchschnittliche jährliche Rendite, die unter der Mindestrendite liegt.

Zudem sind die Gestehungskosten derzeit mehr als doppelt so hoch wie für bestehende Grosswasserkraft-Anlagen. Zu den Gestehungskosten werden etwa die Kapitalkosten sowie die Kosten für Amortisationen gerechnet.

Die Strompreise an den europäischen Märkten sind in den vergangenen fünf Jahren von 70 Euro auf 40 Euro pro Megawattstunde (MWh) gesunken. Gründe dafür sind unter anderem marktverzerrende Subventionen für erneuerbare Energien sowie ein Überangebot von CO2-Zertifikaten. Allerdings geht das BFE davon aus, dass sich die Strompreise bis ins Jahr 2020 erholen werden.

Keine geeigneten Fördermassnahmen

Im Jahr 2012 war die Wasserkraft für 58,7 Prozent der Stromproduktion in der Schweiz verantwortlich. Sie ist zudem ein wichtiger Pfeiler der Energiestrategie 2050, die in der Schweiz die Energiewende mit einer Stärkung der erneuerbaren Energien bringen soll. Unter den aktuellen Marktbedingungen würden Stromunternehmen aber mit Investitionen in die Wasserkraft zuwarten, hält das BFE fest.

In der Studie prüft das Bundesamt deshalb auch Fördermassnahmen wie eine Ausweitung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) auf die Grosswasserkraft. Die KEV gibt es heute etwa für Kleinwasserkraftwerke sowie Photovoltaikanlagen. Die Einspeisevergütung deckt die Differenz zwischen Produktion und Marktpreis.

«Eine Ausweitung der KEV würde zu weiteren Marktverzerrungen führen», sagte BFE-Vizedirektor Büchel vor den Medien. Auch von den anderen geprüften Fördermethoden sei keine besonders geeignet für Grosswasserkraft-Projekte.

Die Lösung liegt gemäss Büchel vielmehr in der Korrektur der bestehenden Marktverzerrungen. So müsste etwa der Preis für CO2-Zertifikate in der EU erhöht werden. Auch die Schweiz könne sich an der Beseitigung der Marktverzerrungen beteiligen - dafür brauche es aber das Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU, über das derzeit verhandelt wird.

VSE sieht sich bestätigt

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) forderte in einer Reaktion ebenfalls Anstrengungen von Seiten der Schweizer Behörden, um die «Schwemme der CO2-Zertifikate» zu stoppen. Der VSE sieht sich durch die Studie grundsätzlich bestätigt: Die bestehenden Rahmenbedingungen sorgten für negative Investitionsanreize bei der Wasserkraft.

Anderer Meinung ist die Schweizerische Energie-Stiftung. Die Strompreise seien deshalb so tief, weil die Atom- und Kohlekraftwerke trotz steigender Produktion aus erneuerbaren Energien nicht vom Netz genommen würden. Langfristig lohnten sich die Investition in Grosswasserkraftwerke immer noch, teilte die Energie-Stiftung mit.

Energiespeicher lohnen sich noch nicht

Das Bundesamt für Energie publizierte am Donnerstag zwei weitere Studien. Diese befassen sich mit der Wirtschaftlichkeit von Pumpspeicherkraftwerken und Energiespeichern. Solche Speicher seien mindestens bis 2020 mit wirtschaftlichen Risiken behaftet, hält das BFE fest. Erst danach könne mit einer verbesserten Wirtschaftlichkeit gerechnet werden.

Ende November gab das Bündner Energieunternehmen Repower bekannt, dass sich das Mega-Pumpspeicherwerk Lago Bianco im bündnerischen Puschlav verzögere. Als Grund nannte das Unternehmen die tiefen Strompreise. (sda)

Erstellt: 12.12.2013, 19:12 Uhr

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