Unseriöser Lohnvergleich

Verdienen Bundesangestellte wirklich mehr als Banker?

Wer in  Schubladen denkt, sollte dies zumindest gründlich tun. Foto: Keystone

Wer in Schubladen denkt, sollte dies zumindest gründlich tun. Foto: Keystone

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Inzwischen ist bald ein Jahr verstrichen, seit die «Handelszeitung» auf ihrer Titelseite verkündete: «Bundesbeamte verdienen im Schnitt mehr als Banker.» Das Blatt publizierte einen Lohnvergleich, der – sagen wir es mal behutsam – nicht über alle Zweifel erhaben war. Dennoch sorgt der Vergleich heute noch für Schlagzeilen und beschäftigt die Politik. Die SVP stützt sich in ihrem finanzpolitischen Positionspapier auf den Zeitungsartikel, der DerBund.ch/Newsnet erwähnte ihn gestern im Zusammenhang mit den Sparplänen des Bundes, und 20min.ch titelte am Freitag: «Die haben es gut: Bundesbeamte verdienen mehr als Bankangestellte.»

Sehen wir uns also den Lohnvergleich genauer an. Die «Handelszeitung» nahm den vom Personalamt ausgewiesenen Durchschnittslohn aller Bundesangestellten (120'075 Franken) und verglich ihn mit dem Ergebnis einer Umfrage des Bankpersonalverbands. In dieser gaben die Teilnehmer ein durchschnittliches Fixsalär von 105'600 Franken an.

Direktionsstufe deutlich untervertreten

Das Problem dabei: Die Umfrage des Schweizerischen Bankpersonalverbands (SBPV) war freiwillig. Das Topkader nahm nicht teil. Und die Direktionsstufe war deutlich untervertreten. Das bestätigt SBPV-Geschäftsführerin Denise Chervet. Man könne die Zahlen nicht mit jenen des Bundes vergleichen. «Das ist unseriös», findet Chervet. «Will man die Saläre vergleichen, sollte man die Zahlen des Bundesamts für Statistik nehmen.»

Dieses erhebt alle zwei Jahre die Löhne. Die neusten Daten stammen aus dem Jahr 2012 und weisen für den privaten Finanzdienstleistungssektor einen mittleren Monatslohn (Median) von 9823 Franken aus. Bei der öffentlichen Hand sind es 7750 Franken, wobei hier auch die Löhne der Kantone und Gemeinden mitgerechnet wurden.

Leider weist die neuste Statistik die Bundessaläre nicht mehr separat aus. Dafür muss man auf die Zahlen von 2010 zurückgreifen. Damals betrug der Medianlohn des Bundes 7249 Franken – jener der Verwaltung allein 8743 Franken. Beide liegen unter den 9428 Franken der Finanzdienstleister.Also kann keine Rede davon sein, dass Beamte besser verdienen als Banker.

Über die Bundespersonalausgaben muss man sprechen – aber aufgrund von seriösen Fakten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2015, 19:51 Uhr

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