Spiel mit dem Vertrauen

Bei der elektronischen Stimmabgabe bleibt immer ein Restzweifel.

Im Reich der Bits und Bytes macht der Begriff Nachzählung keinen Sinn. Foto: Keystone

Im Reich der Bits und Bytes macht der Begriff Nachzählung keinen Sinn. Foto: Keystone

Jan Rothenberger@janro

Die Zweifel an der Sicherheit des E-Votings sind so alt wie die Idee selbst. Im Kern geht es um die Frage, wie weit wir intransparenten Systemen vertrauen. Das Argument der Befürworter: Im E-Banking setzen wir auf elektronischen Datenverkehr, wir vertrauen unsere materielle Existenz IT-Systemen an. Warum nicht auch unsere Urnengänge?

Der Vergleich hinkt freilich: Ein Blick auf den Kontoauszug verschafft schnell Klarheit, ob sich Dritte an der Valuta vergriffen haben. Auch die klassische Stimmabgabe an der Urne lässt sich später nachvollziehen. In letzter Instanz sind Stimmzettel ein untrüglicher Beleg jedes Wahlresultats – schliesst man eine Manipulation generalstabsmässigen Ausmasses aus. Darauf ruht unser berechtigtes Vertrauen in Abstimmungen und Wahlen: In der Schweiz wäre eine solche Manipulation nicht möglich.

Ein E-Voting-System dagegen ist eine Blackbox. Im Reich der Bits und Bytes macht der Begriff Nachzählung keinen Sinn. Unabhängige Prüfung im Nachhinein kann es in dieser Form nicht geben, da die Stimmabgabe keine physischen Belege zurücklässt. Stattdessen geht es einzig um das Vertrauen auf technische Sicherheitsmechanismen. Das Problem: Anders als die Idee der Nachzählung kann sie nur ein Spezialist in Sachen Kryptografie im Ansatz erklären.

Dass die im E-Voting verwendeten Verfahren wie Zertifikate, Authentifikation und Verschlüsselung zuverlässig Sicherheit gewähren, ist zwar plausibel. Ebenso wenig besteht ein Grund, den zuständigen Fachleuten zu misstrauen. Angesichts immer ausgefeilterer Hackerattacken weltweit ist Skepsis dennoch angebracht. Schliesslich sind nicht einmal die grössten Techkonzerne gegen derartige Angriffen gefeit.

So trifft der Vergleich mit E-Banking doch ins Schwarze. Ein Hackingverdacht kann das Vertrauen in jede Bank zerstören. Ähnliches gilt im E-Voting: Hackerangriffe sind zu erwarten. Dabei ist zweitrangig, ob sie abgewehrt oder ob sie sogar bloss behauptet werden. Es reicht, das Vertrauen ins Wahlsystem zu erschüttern, um die Demokratie zu beschädigen.

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