So wohnt man in Schweizer Städten

Wie viel Platz hat eine Person durchschnittlich? Und gibt es viele überfüllte Wohnungen? Die grossen Schweizer Städte im Vergleich.

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Die Lebensqualität einer Stadt misst sich unter anderem an ihrer Wohnsituation. Diese ist umso besser, je tiefer der Anteil überbelegter Wohnungen ist oder je mehr Wohnfläche pro Person zur Verfügung steht. Das Bundesamt für Statistik hat dazu einen neuen Vergleich von 49 Schweizer Städten durchgeführt, mit Fokus auf Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, Luzern, St. Gallen und Lugano.

Er zeigt, dass Stadtbewohner grundsätzlich mit weniger Platz auskommen als Menschen in den Agglomerationen, die sie umgeben. Das hat auch mit dem vergleichsweise kleinen Anteil an Einfamilienhäusern in den Städten zu tun, der im Schnitt nur 6 Prozent beträgt.

Eine Ausnahme bildet Lugano, wo es seit der Gemeindefusion 2013 mit eher ländlich geprägten Gemeinden wie Bogno, Valcolla und Cimadera mit 15 Prozent einen deutlich höheren Anteil Einfamilienhäuser gibt als in den anderen Städten. Dementsprechend viel Wohnfläche steht in Lugano zur Verfügung.

Über 45 Quadratmeter Wohnfläche pro Person sind in Lugano vorhanden. In Luzern und St. Gallen haben die Einwohnerinnen und Einwohner vergleichsweise ebenfalls viel Platz. Ganz anders sieht es in Genf aus, wo die durchschnittliche Wohnfläche pro Person nur gut 35 Quadratmeter beträgt.

Ein Grund dafür: Genf hat die mit Abstand höchste Bevölkerungsdichte aller Schweizer Städte. 12’434 Menschen leben hier innerhalb eines Quadratkilometers. Das sind gut 8-mal so viele wie im Schweizer Durchschnitt und fast 15-mal so viele wie in Lugano, das die geringste Dichte aller grossen Städte aufweist.

Die Genferinnen und Genfer leben also auf engem Raum, teilen sich oft sogar ein Zuhause mit mehr Personen als Zimmern. 18 Prozent aller Wohnungen in ihrer Stadt sind überbelegt, weit mehr als in den anderen Städten. Zum Vergleich: In St. Gallen und Luzern liegt der Anteil überfüllter Wohnungen bei nicht einmal 5 Prozent.

Gemäss dem Konzept der Lebensqualität der OECD können überbelegte Wohnungen zu negativen Effekten führen, darunter gesundheitliche Probleme oder bei Kindern auch schulische Probleme, da Platz zum konzentrierten Lernen fehlt. Ausreichend Platz ist demnach wichtig für die persönliche Privatsphäre und um ein angenehmes Zuhause gestalten zu können.

Lugano, St. Gallen und Luzern kennen das Problem überfüllter Wohnungen kaum – im Gegenteil: Hier übertrifft das Angebot an Wohnungen die Nachfrage.

Luzern, Lugano und vor allem St. Gallen weisen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an leer stehenden Wohnungen auf. Laut dem Bundesamt für Statistik hat dies einen positiven Effekt auf die Wohnsituation. Denn eine hohe Leerwohnungsziffer erleichtert die Wohnungssuche und wirkt sich tendenziell dämpfend auf die Wohnungspreise aus. Ein knappes Angebot hingegen kann dazu führen, dass teurere Wohnungen gewählt werden müssen oder in andere Orte ausgewichen wird, wodurch sich unter Umständen der tägliche Arbeitsweg verlängert.

Insgesamt schneiden Lugano, St. Gallen und Luzern am besten ab – mit gut 63’000, 75’000 und 81’000 Einwohnern wohlgemerkt die drei kleinsten der acht Städte im Vergleich. Sie weisen die höchste durchschnittliche Wohnfläche pro Person auf, haben am wenigsten überbelegte Wohnungen, und es ist hier grundsätzlich einfacher, eine leere Wohnung zu finden. Lugano und St. Gallen haben zudem den höchsten Anteil an Eigentümerhaushalten. Der Zugang zu Wohneigentum ist hier also besser als in den anderen Städten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2017, 16:59 Uhr

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