Schwyzer Regierung gegen Verschleierungsverbot

Die Schwyzer Regierung wendet sich gegen ein Verschleierungsverbot für Frauen – weil es zu weit ginge und mit vernünftigem Aufwand nicht durchsetzbar wäre. Burka-Trägerinnen seien im Kanton sehr selten.

In Schwyz ein seltenes Bild: Burkaträgerin in Genf.

In Schwyz ein seltenes Bild: Burkaträgerin in Genf. Bild: Keystone

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Damit erteilt sie einem entsprechenden Postulat von SVP-Seite eine Absage und empfiehlt es zur Ablehnung.

Ein Verbot aller Formen der Verschleierung von Frauen war in dem Vorstoss im Schwyzer Kantonsrat verlangt worden. Aufgrund «der sich massiv ausdehnenden Islamisierung der westlichen Länder» müsse die christliche Kultur geschützt werden, wurde argumentiert.

Unter das geforderte Verschleierungsverbot würden aber nicht nur Kopftücher von muslimischen Frauen fallen, hält die Regierung in der am Donnerstag veröffentlichten Antwort fest. Sondern auch Gewänder von bestimmten (christlichen) Frauenorden sowie Kopftücher, die sich Frauen zum Schutz vor der Witterung umbinden.

Keine unnötigen Gesetze

Denkbar wäre nach Ansicht der Regierung allenfalls ein Verbot des Niqab und der Burka, die auch das Gesicht verhüllen. Auch ein solches Verbot werfe aber Abgrenzungsprobleme auf. Im Übrigen habe sich die Regierung in ihrem Regierungsprogramm zum Ziel gesetzt, die Gesetzgebung auf das Notwendigste zu beschränken.

Die Regierung verweist auf eine Umfrage in den Schulen. Demnach haben sich bis heute praktisch keine Probleme wegen Verschleierung von Schülerinnen oder der Teilnahme von Musliminnen am Turn- und Schwimmunterricht ergeben. Auch die Gemeindeverwaltungen wüssten von keinerlei Problemen wegen Schleier tragenden Frauen.

Niqab oder Burka tragende Frauen seien dem Vernehmen nach nur in Einkaufszentren oder an Fremdenverkehrsorten gesehen worden. Dabei handle es sich um unproblematische Einzelfälle. Schliesslich meldet auch die Kantonspolizei Schwyz keine Schwierigkeiten wegen verschleierter Frauen. (mt/sda)

Erstellt: 26.08.2010, 09:34 Uhr

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