Schweizer zahlen doppelt so viel für Generika

Preisvergleich bei Pillen: Wie die Schweiz im Vergleich zum Ausland abschneidet.

Staatliche Preispolitik verteuert laut Santésuisse die Generika: Die Angestellte einer Apotheke bedient Kunden. (Archivbild Keystone, Gaetan Bally)

Staatliche Preispolitik verteuert laut Santésuisse die Generika: Die Angestellte einer Apotheke bedient Kunden. (Archivbild Keystone, Gaetan Bally)

In der Schweiz sind die Medikamente nach wie vor teurer als im vergleichbaren Ausland. Bei den Generika beträgt der Preisunterschied sogar 47 Prozent, wie der heute veröffentlichte Preisvergleich von Interpharma und Santésuisse zeigt. Nimmt man für das Schweizer Preisniveau 100 Prozent an, so betragen die durchschnittlichen Generika-Preise der Vergleichsländer 53 Prozent.

Die rund 200 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate der Spezialitätenliste waren gemäss dem Preisvergleich mit dem vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) angewandten Wechselkurs von 1.20 Franken pro Euro zehn Prozent teurer als im Ausland. Damit liege das Schweizer Preisniveau auf jenem von Deutschland und Dänemark. Patentabgelaufene Originalprodukte waren in der Schweiz elf Prozent teurer als im Durchschnitt der Vergleichsländer.

Unterschiede aufgrund Messmethoden

Beim letzten Preisvergleich mit den Preisen vom November 2014 und dem damaligen Länderkorb von nur sechs Ländern waren die patentgeschützten Medikamente bei einem Wechselkurs von 1.29 Franken pro Euro gleich teuer wie im Durchschnitt der Vergleichsländer.

Für Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma, ist die jetzige Preisdifferenz massgeblich auf den erstarkten Franken und die Erweiterung des Länderkorbs zurückzuführen. Umso wichtiger sei die Berücksichtigung des Nutzens mit dem neuen Preisfestsetzungssystem, das nicht mehr nur auf die Preise im Ausland abstelle.

Generika in der Schweiz fast doppelt so teuer

Santésuisse-Direktorin Verena Nold äusserte sich besorgt darüber, dass Generika in der Schweiz noch rund doppelt so teuer sind wie im Durchschnitt der Vergleichsländer. Der Dachverband der Krankenversicherer erwartet, dass für patentabgelaufene Medikamente ein griffiges Preissystem eingeführt wird. Es könne nicht sein, dass auf Kosten der Prämienzahler derart hohe Preise verlangt würden.

Santésuisse-Sprecher Christophe Kaempf sieht die Gründe für den Preisunterschied aber nicht in erster Linie bei den Pharma-Firmen, sondern beim Staat: «Die Preispolitik der Schweiz unterscheidet sich von derjenigen ausländischer Behörden», erklärt er auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Ausserdem sei das Bewilligungsverfahren für Generika sehr teuer hierzulande.

Für den Preisvergleich wurden die Fabrikabgabepreise in der Schweiz vom September 2015 mit jenen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden für patentgeschützte und patentabgelaufene Medikamente sowie Generika verglichen.

rub/sda

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