Sawiris' schlechte Nachrichten für Aktionäre

Der ägyptische Investor schiebt den Bau des Sportzentrums und des zweiten Luxushotels um Jahre hinaus. Seine Holding schreibt weiter Verluste.

Andermatt ist eine Baustelle: Zwei Alphornbläser während des Richtfests fuer die erste Villa des Andermatt Swiss Alps Resorts (26. November 2012).

Andermatt ist eine Baustelle: Zwei Alphornbläser während des Richtfests fuer die erste Villa des Andermatt Swiss Alps Resorts (26. November 2012). Bild: Keystone

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Zurzeit machen Samih Sawiris und sein Unternehmen einen etwas unbeständigen Eindruck. Am Montagabend liess der Ägypter eine Urner Regierungsrätin, den Andermatter Gemeindepräsidenten und die Andermatter Bevölkerung mehr als eine halbe Stunde lang warten, um ihnen dann schlechte Nachrichten zu verkünden: Die Andermatter bekommen ihr versprochenes Sportzentrum erst Ende 2018 statt 2013.

Gestern Abend veröffentlichte die Orascom Development Holding zudem überraschend die neusten Quartalszahlen, nachdem es noch am Freitag geheissen hatte, dass die Publikation um eine Woche auf den 6. Dezember verschoben werden müsse. Der Reinverlust ist deutlich gewachsen, währenddessen der Aktienkurs weiter sank.

Ein gewichtiger Grund, mit dem der ägyptische Investor seinerzeit die Andermatter von seinem Milliardenprojekt hatte überzeugen können, war das Versprechen, ein grosses, öffentlich zugängliches Sportzentrum zu bauen. Deshalb wurde in der Bau- und Zonenordnung (BZO) klar geregelt, dass zuerst die Sportanlagen realisiert werden müssten, bevor mit dem Bau des Golfplatzes und der Luxusvillen angefangen werden konnte.

Golfplatz hatte Priorität

Wie jedoch Recherchen des TA Anfang Oktober ergaben, wurde nicht einmal eine Baugesuch für das Sportzentrum eingereicht, obwohl der Golfplatz praktisch fertig war und eine Villa mittlerweile vor der Vollendung steht. Am Montagabend wurde dies der Bevölkerung offiziell mitgeteilt. Die Urner Justizdirektorin Heidi Zgraggen bemühte dafür Goethe: «Auch auf Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.» Und verlangte im gleichen Atemzug, dass sich alle Beteiligten künftig «flexibel» zeigen müssten.

Dann liessen die Verantwortlichen der Orascom-Tochter Andermatt Swiss Alps AG (ASA) die Katze aus dem Sack: «Die Überarbeitung der Investitionsplanung ist unumgänglich, deshalb haben auch Gespräche mit der Gemeinde stattgefunden, und man hat eine Regelung für die Etappierung der Infrastrukturbauten vereinbart.» Statt wie versprochen Ende 2013 würden die Andermatter erst Ende 2018 im Sportcenter baden können. In einer Übergangslösung werde die ASA den Transport für das Schulschwimmen organisieren und für die Bevölkerung den Eintritt in das Schwimmbad von Altdorf UR übernehmen. Der Golfplatz hingegen soll nächsten Sommer für Veranstaltungen und Gäste des noch im Bau befindlichen Luxushotels Chedi benützbar sein.

Labile Lage

Weit nach vorne verlegt wurde zudem die Eröffnung des zweiten Luxushotels Radisson Blue Resort. Seine Fertigstellung ist für Ende 2017 vorgesehen. Es war genauso wie das Sportzentrum Voraussetzung, dass überhaupt mit dem Bau des Golfplatzes und der 25 Grossvillen begonnen werden durfte. Doch nicht einmal auf diesen Termin ist Verlass. Denn gebaut wird laut ASA nur, wenn auch die Finanzierung steht. Noch Anfang November hatte Sawiris Rezidor Hotel Group gegenüber dem TA erklärt, dass das Hotel Ende 2014 eröffnet werden sollte.

Die Gründe für die massiven Verzögerungen im Tourismusresort sind vielfältig. «Orascom war eine Erfolgsgeschichte. Dann kamen die Wirtschaftskrise, der arabische Frühling, die Eurokrise und die Frankenaufwertung. Nichts war mehr wie zuvor», erklärte Orascom-CEO Gerhard Niesslein in einem TA-Interview Ende August. Wie labil zurzeit die Lage ist, zeigt der aktuelle Vorfall mit den Quartalszahlen. Vergangenen Freitag gab Orascom unerwartet bekannt, dass die Publikation der Zahlen um eine Woche verschoben werden müsse. Darauf stürzte am Montag der Aktienkurs um 6,73 Prozent ab. Gestern Abend veröffentlichte Orascom – wiederum unerwartet – provisorische Zahlen. «Das Unternehmen versucht offensichtlich die Investoren zu beruhigen», sagt Patrick Hasenböhler, Analyst der Bank Sarasin, auf Anfrage.

Verlust von 30 bis 35 Millionen

Orascom-Sprecher Daniel Göring betont den positiven operativen Cashflow von 20 bis 25 Millionen Franken. Tatsächlich hat dieser in den letzten drei Quartalen zugenommen. Allerdings steht dem ein wachsender Verlust gegenüber: Betrug dieser beim letzten Halbjahresergebnis 27,2 Millionen Franken, so erwartet Orascom allein im dritten Quartal ein Minus von 30 bis 35 Millionen Franken. Das sei aber eine Folge von Sondereffekten, sagt Göring, es handle sich um eine Bereinigung von nicht strategischen Beteiligungen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2012, 10:47 Uhr

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