Prämien steigen nächstes Jahr um 2,2 Prozent

Die Krankenkassenprämien steigen nächstes Jahr durchschnittlich um 2,2 Prozent. Je nach Kanton beträgt die Erhöhung zwischen 1,0 und 3,8 Prozent.

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Bundesrat Alain Berset hat die Gründe für die erneut gestiegenen Krankenkassenprämien dargelegt. «Die hohe Qualität in unserem Gesundheitswesen hat ihren Preis», sagte er. Trotz vieler Massnahmen seien die Gesundheitskosten weiter am Steigen, was sich zwangsläufig auf die Prämien auswirke.

«Wenn die Kosten nicht steigen würden, stiegen auch die Prämien nicht», sagte der Gesundheitsminister vor den Medien in Bern. Im nächsten Jahr gebe es einen moderaten Anstieg von 2,2 Prozent. Dies korrespondiere exakt mit den geplanten Ausgaben der Krankenkassen fürs Jahr 2014.

Damit liegt der Preisaufschlag auf die Standardprämien zum dritten Mal in Folge unter dem langjährigen Durchschnitt von 3,5 Prozent. Berset verneinte aber, dass die Kostenprobleme im Gesundheitswesen damit gelöst seien. «Ich wäre ein glücklicher Mann, wenn ich behaupten könnte, dass wir die Kosten im Griff haben.»

Berset sprach explizit die vier grössten Kostenpunkte an, welche die Versicherer mit den Prämien decken müssen: stationäre Spitalkosten, ambulante Spitalkosten, ambulante Arztkosten und die Medikamente. Vor allem im stationären Spitalbereich liefen die Kosten noch immer aus dem Ruder.

Kosten steigen überall

Im ersten Halbjahr 2013 seien die Kosten im stationären Spitalbereich um 30 Prozent gestiegen, sagte Berset. Dieser Wert sei jedoch mit Vorsicht zu geniessen, weil die momentan vorhandenen Daten wenig aussagekräftig seien. Wegen der Umstellung auf Fallpauschalen sei es zu Verzögerungen bei der Rechnungsstellung gekommen.

«Es war immer klar, dass es Zeit braucht, bis sich ein solches System entwickelt», sagte Berset. Ebenso sei erwartet worden, dass die Einführung der Fallpauschalen in der ersten Phase höhere Kosten verursachen würde.

Auch für ambulante Behandlungen im Spital steigen die Kosten laut Berset weiter, jedoch weniger stark als früher. «Wegen des medizinischen Fortschritts sind die Leute heute weniger lang im Spital».

Preise von 500 Arzneimitteln gesenkt

Bei den ambulanten Ärztekosten hätten sich die Prognosen ebenfalls bewahrheitet: Auch hier seien die Kosten gestiegen. «Mehr Ärzte bedeuten höhere Kosten, dies wiederum bedeutet höhere Prämien», hielt Berset fest. Die Kantone hätten nun aber die Möglichkeit erhalten, einen Zulassungsstopp zu verhängen. Rund die Hälfte der Kantone machten davon bereits Gebrauch.

Auch beim vierten grossen Kostenblock, den Medikamenten, seien bereits kostendeckende Massnahmen in Kraft. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte im vergangenen Jahr die Preise von rund 500 Arzneimitteln gesenkt. Bis 2015 sollen so rund 720 Millionen Franken eingespart werden.

GDK: Kernproblem bleibt bestehen

Trotz des moderaten Anstiegs der Krankenkassenprämien 2014 erachtet die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) die Prämien weiterhin als zu hoch. Das Kernproblem bleibe bestehen: Kantone würden im Verhältnis zu ihren verursachten Kosten weiterhin über- oder unterdurchschnittlich belastet, sagte GDK-Generalsekretär Michael Jordi.

In einzelnen Kantonen würden mit zu hohen Prämien zu hohe Reserven gebildet. Dies werde mancherorts von Versicherern systematisch getan. Als bestes Beispiel dafür sieht Jordi Zürich. Die GDK fordert daher, dass die angehäuften Reserven der Versicherer eingesetzt werden, um die steigenden Gesundheitskosten zu dämpfen.

Die Versicherer hätten Reserven von 6,5 Milliarden Franken gebildet. Angesichts des gesetzlich geforderten Polsters von 4 Milliarden Franken bleibt aus Sicht von Jordi ein beträchtlicher Spielraum. Ins Auge gefasst werden sollte das neue Aufsichtsgesetz über die obligatorische Krankenversicherung. Damit liessen sich die Versicherer besser beaufsichtigen.

Preissenkungen bei Medikamenten zeigen Wirkung

Der Krankenversichererverband Curafutura sieht den moderaten Anstieg der Krankenkassenprämien 2014 als Beleg dafür, dass die getroffenen Massnahmen ihre Wirkung nicht verfehlt hätten. Dazu zählten etwa die Preissenkungen bei den Medikamenten, erklärte Direktor Reto Dietschi.

Der Prämienanstieg könnte demnach künftig noch verringert werden, wenn die Kantone im Rahmen der neuen Spitalfinanzierung ihren Beitrag an den stationären Bereich maximieren würden. Die Kantone sind erst ab 2017 verpflichtet, 55 Prozent der stationären Leistungen zu finanzieren.

«Dagegen wird der Anteil der Versicherer und der Prämienzahler, die heute die Hälfte bezahlen, beträchtlich sinken», betont Dietschi. Die Kassen würden sich im Interesse ihrer Versicherten weiterhin für niedrige Tarife einsetzen.

rbi/sda

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