Perspektiven

«Perspektiven»: Kommunikationskrise

Wenn es - wie im Fall Israel - um Kommunikation in einer Krisensituation geht, kommt der Zürcher Berater Sacha Wigdorovits wie gerufen

«Schlägt notfalls mit dem Zweihänder zu»: Sacha Wigdorovits

«Schlägt notfalls mit dem Zweihänder zu»: Sacha Wigdorovits Bild: Keystone

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In Israel geht die Kriegsangst um, konnte man am Freitag in dieser Zeitung lesen: Ein Konflikt mit dem Iran gilt als zunehmend reales Szenario. In dieser Situation muss Israel versuchen, die Weltmeinung zu beeinflussen. Denn den Vertrauensvorschuss, den es einst besass – gerade in der Schweiz, wo sozusagen eine Solidarität von Kleinstaat zu Kleinstaat herrschte –, hat das Land mit zunehmender militärischer Potenz, inklusive atomarer Bewaffnung, und wegen seiner Rolle als Besatzungsmacht in den Palästinensergebieten heute auf weiten Strecken verloren. Als Underdogs, mit denen sich vor allem die Linke solidarisiert, gelten heute die Palästinenser.

Krisenexperte Wigdorovits

Es geht also um Kommunikation in einer Krisensituation, und da kommt der Zürcher Berater Sacha Wigdorovits wie gerufen, denn er ist nicht nur ein Spezialist für Krisenkommunikation, sondern auch – schon seit seinen früheren Jahren als Journalist bei «Tages-Anzeiger», «SonntagsZeitung» und «Blick» – ein aktiver, vehementer Verfechter israelischer Positionen.

Wenn er auftaucht, gehen Journalisten in Deckung. Denn Wigdorovits schlägt notfalls mit dem Zweihänder zu. Als der Zürcher Millionenerbe Carl Hirschmann vor drei Jahren versuchte, von seinen sexuellen Entgleisungen abzulenken, schaltete er Wigdorovits ein; danach hagelte es Ehrverletzungsklagen gegen diverse Medien. (Auch gegen den «Bund»; wir sind also in dieser Sache Partei, wie hier der Transparenz wegen angeführt werden soll.)

Wigdorovits kann auch subtiler agieren. So hat er die Internetplattform Audiatur-Online gegründet, in deren Stiftungsrat er sitzt. (Präsidiert wird dieser von Ekkehard W. Stegemann, Professor für Neues Testament an der Universität Basel und profilierter Israel-Verteidiger.) Die Macher reagieren empfindlich, wenn man ihre Webseite als Propagandaplattform betitelt. Angeblich will Audiatur-Online «faktenorientiert Informationen, Analysen und Kommentare zu Israel und dem Nahen Osten anbieten».

Israelische Propaganda

Eine Text-Exegese ergibt allerdings ein anderes Bild: Der grösste Teil der Beiträge läuft darauf hinaus, Positionen Israels und seiner gegenwärtigen Regierung zu erklären und zu rechtfertigen. «Die Berichterstattung in den Schweizer Medien über Israel und den Nahen Osten hat sich in den letzten Jahren verhärtet, ist einseitiger und unausgewogener geworden – auf Kosten von Israel», heisst es denn auch in der Audiatur-Selbstdarstellung.

Dass Israel versucht, der Welt seine Sicht der Dinge darzulegen und Entscheidungen in seinem Sinn zu provozieren – dass es also Propaganda und Lobbying betreibt –, ist legitim. Mindestens in den USA ist das übrigens sehr erfolgreich: Aipac, das American Israel Public Affairs Committee, gilt nach der National Rifle Association, der Waffen-Lobby, als einflussreichste Interessengruppe in Washington.

Dass man hingegen versucht, uns diese Propaganda als «politisch unabhängige Information» unterzujubeln, grenzt an intellektuelle Beleidigung. (Der Bund)

Erstellt: 18.08.2012, 10:22 Uhr

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