In der Schweiz fehlen 1268 Organe

944 Tage für eine Niere, 457 Tage für eine Lunge: Die Wartezeiten für Organe sind so lange wie noch nie. Und nirgendwo sonst in Mitteleuropa gibt es so wenige Spender wie in der Schweiz. Nun wird der Bund aktiv.

Nur 13 von 1 Million Schweizern spenden nach ihrem Tod Organe: Ärzte transplantieren eine Niere. (Archivbild)

Nur 13 von 1 Million Schweizern spenden nach ihrem Tod Organe: Ärzte transplantieren eine Niere. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Die Wartelisten in der Schweiz für Herzen, Nieren, Lungen sind so lang wie noch nie. 1268 Patienten warten zurzeit auf ein Organ. «Die Situation ist alarmierend», sagt Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag». Bis ein passender Spender gefunden ist, muss ein kranker Mensch oft lange bangen. 457 Tage wartet ein Empfänger im Durchschnitt auf eine Lunge. 944 Tage beträgt die Wartezeit für eine Niere.

Für manche kommt jede Hilfe zu spät. 50 Menschen starben bereits dieses Jahr, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhielten. Grund: Nirgendwo sonst in Mitteleuropa gibt es so wenige Spender wie in der Schweiz. Nur 13 von 1 Million Schweizern spenden nach ihrem Tod ein Organ – Tendenz sinkend. Schweizweit haben 70 Verstorbene seit Januar 251 Organe gespendet. Das sind mehr als im Vorjahr, doch es reicht nicht.

Ziel: 160 Spender pro Jahr

Das hat auch der Bundesrat erkannt und einen Aktionsplan vorgestellt. Das Ziel: 160 Spender pro Jahr. Zudem diskutiert das Parlament in der Herbstsession die Revision des Transplantationsgesetzes. Und es sind gleich mehrere Vorstösse hängig. So verlangt ein Vorstoss, dass die Schweiz die Widerspruchsregelung einführt. Das würde bedeuten, dass jemand sich in ein Register eintragen lassen müsste, wenn er seine Organe nicht spenden will. Denn heute gehen die meisten Organspenden verloren, weil der Wille der Patienten nicht bekannt ist. Nur jeder zehnte Schweizer trägt einen Organspendenausweis auf sich.

Swisstransplant Direktor Immer unterstützt diesen Vorstoss unter der Bedingung, dass die Angehörigen immer nach dem Willen des Verstorbenen befragt werden. Er sieht aber nicht nur bei den künftigen Spendern noch Potenzial, sondern auch bei den Spitälern. «Gerade in kleineren Spitälern werden potenzielle Spender nicht erkannt oder es fehlt an Ressourcen für Transplantationen.»

Deshalb werden neu Ärzte und Pflegende ausgebildet, die in den Spitälern als Koordinatoren für Organspende agieren. Als Vorbild dient dabei Spanien. Dort kommen in den Spitälern sogenannte Spendenmanager zum Einsatz. Ihr Aufgabenbereich: Sie suchen nach geeigneten Organspendern, reden mit Angehörigen von todkranken Patienten und sensibilisieren das Spitalpersonal.

rbi

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