Ohne Jobcoach geht es nicht

Wenn die Arbeitsintegration von Flüchtlingen gelingen soll, brauchen auch die Firmen Unterstützung.

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Für einmal ist Bern schneller gewesen als die meisten, sehr viel schneller. Drei Jahre bevor Bund und Kantone im Sommer 2018 mit der Flüchtlingsvorlehre beginnen, haben die Verantwortlichen im Kanton Bern die Dinge selbst in die Hand genommen und ihr eigenes Pilotprojekt gestartet: einen Berufbildungskurs für Flüchtlinge. Eine Kombination aus Schulbesuch und Praktikum in einem Betrieb.

Das Projekt war eine Reaktion auf die hohe Sozialhilfequote der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen. Weil viele von ihnen keine Ausbildung haben – oder keine, die in der Schweiz anerkannt wird –, findet nur eine Minderheit eine Arbeit. Dazu kommen Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede.

Mit der Flüchtlingsvorlehre wollte Bern diesem Problem begegnen. Nachdem die ersten Teilnehmer die Ausbildung abgeschlossen haben, fällt die Bilanz gemischt aus. Die Hälfte der Teilnehmer hat eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz gefunden, die andere Hälfte nicht. Die Gründe, warum es nicht funktioniert hat, sind unterschiedlich.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Firmen durchaus bereit sind, Flüchtlinge anzustellen.

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Pilotprojekt aber lautet: Ohne Jobcoach klappt es bei vielen nicht. Sei es, dass die Deutschkenntnisse nicht ausreichen, sei es, dass ihre Bewerbung abfällt im Vergleich zu den Mitbewerbern. In Zukunft sollen sie deshalb bei der Stellensuche Unterstützung erhalten.

Der Ansatz ist erfolgversprechend – sofern der Jobcoach nicht nur den Flüchtlingen hilft, sondern auch den Betrieben als Ansprechperson dient. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele Firmen durchaus bereit sind, Flüchtlinge anzustellen. Sie brauchen aber eine Anlaufstelle, an die sie sich wenden können, wenn Probleme auftauchen oder wenn sie Fragen haben in Bezug auf die zusätzliche Bürokratie.

Heute hängt es allein vom persönlichen Einsatz der Unternehmer ab, ob sie den Extraaufwand auf sich nehmen, den die Anstellung eines Flüchtlings mit sich bringt. Wenn die Arbeitsintegration im grossen Stil gelingen soll, wird es nicht mehr ausreichen, sich auf die Grossherzigkeit Einzelner zu verlassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2018, 22:56 Uhr

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