Nach Hitzesommer: Nationalbank soll Finger von CO2 lassen

Umweltpolitiker fordern, dass Nationalbank und Pensionskassen nachhaltig investieren. So wollen sie die Treibhausgase senken.

Nationalbank und Pensionskassen sollen ihr Geld aus Erdölfirmen abziehen. Im Bild die stillgelegte Raffinerie in Collombey VS.

Nationalbank und Pensionskassen sollen ihr Geld aus Erdölfirmen abziehen. Im Bild die stillgelegte Raffinerie in Collombey VS. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Schweiz würden Private und Unternehmen viel für den Klimaschutz tun, sagt die grüne Nationalrätin Adèle Thorens. Sie sanierten ihre Gebäude, benutzten Elektroautos oder öffentliche Verkehrsmittel. «Aber alle diese Anstrengungen werden neutralisiert, wenn die Schweizer Nationalbank im heutigen Umfang in fossile Brennstoffe investiert.» Allein deren Investitionen im Ausland verursachten so viele Treibhausgase wie die gesamte Schweiz. Dies hat kürzlich eine Studie der Umweltorganisation Artisans de la Transition ergeben.

In einer parlamentarischen Initiative fordert Adèle Thorens nun, dass die Nationalbank künftig eine nachhaltige Investitionsstrategie verfolgen muss. Die nationalrätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben hat heute Montag darüber beraten, wird aber erst am Mittwoch informieren.

Die Hitze in den Knochen

Thorens hat mit ihrem Vorstoss eine Resolution vorweggenommen, welche die Delegierten der Grünen Partei Schweiz an ihrer Versammlung vor zehn Tagen gefasst haben, die Hitze des vergangenen Sommers noch in den Knochen: Sie wollen sich verstärkt dafür einsetzen, dass sich Banken, Versicherungen und insbesondere Pensionskassen der öffentlichen Hand nur noch an Investitionen beteiligen, die sich mit dem Ziel der internationalen Klimapolitik vereinbaren lassen; danach darf die globale Erwärmung gegenüber dem Stand zu Beginn der Industrialisierung nicht mehr als um zwei Grad steigen.

Dabei waren die Grünen, zum Teil unterstützt von EVP-Politikern, bereits bis anhin sehr aktiv – wenn auch mit mässigem Erfolg. Das zeigt nun eine Übersicht der Klima-Allianz Schweiz: Die Umweltpolitikerinnen und -politiker haben in Schweizer Städten und Gemeinden bereits über zwanzig Vorstösse eingereicht und zwar in den Kantonen Aargau, Bern, Biel, Baselland und Basel-Stadt, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Zug und Zürich.

Adèle Thorens fordert in ihrer parlamentarischen Initiative, dass sich auch die Nationalbank an Artikel 2 der Bundesverfassung hält. Dieser verlangt unter anderem von der Eidgenossenschaft, dass sie sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt. Eigentlich, so sagt Thorens, sollte es selbstverständlich sein, dass sich auch die Nationalbank an der Verfassung orientiert – und an den eigenen Richtlinien. Auch die Nationalbank habe sich zum Ziel gesetzt, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die zum Beispiel systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.

Versicherungen gehen voraus

Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz, beobachtet allerdings, dass private Investoren wie auch Pensionskassen Angst haben, von der Strategie einer breiten Diversifikation abzuweichen und ihre Investitionen aus Erdölfirmen abzuziehen. «Dabei gehörte es eigentlich zur Sorgfaltspflicht von Unternehmen und Pensionskassen, klimabedingte Risiken zu berücksichtigen», sagt er. Fachleute gehen davon aus, dass nach dem Pariser Klimaabkommen mehr Geld in erneuerbare Energien investiert wird und Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern, an Wert verlieren.

Laut Lüthi sind es Versicherungen, die eine nachhaltige Investitionsstrategie am weitesten vorangetrieben haben. Danach folgen Pensionskassen. So haben zum Beispiel jene des Bundes sowie der Kantone Zürich und Genf ihr Geld aus Unternehmen zurückgezogen, die Kohleprodukte herstellen. Die Publica, die Pensionskasse des Bundes, tat dies, nachdem sie Kohleproduzenten einer Risikoanalyse unterzogen hatte. Die Nationalbank dagegen liegt gemäss Lüthi zurück – hinter den Pensionskassen und auch hinter jenen 14 Zentralbanken, die vereint die Klimarisiken für das Finanzsystem minimieren wollen. Dabei könnte gerade die Schweizer Nationalbank eine grosse Hebelwirkung erzielen, würde sie nicht mehr in fossile Brennstoffe investieren; gemäss dem Official Monetary and Financial Institutions Forum ist sie die achtgrösste öffentliche Investorin der Welt.

Bessere Chancen dank Hitze

Die Nationalbank indessen hält nicht viel von der Forderung der Umweltpolitiker und beruft sich ihrerseits auf die Bundesverfassung: «Unsere Aufgaben sollten klar auf die Geld- und Währungspolitik gemäss Artikel 99 begrenzt bleiben», sagt Vizedirektor Walter Meier auf Anfrage. So sei sie auch breit diversifiziert. Müsste sie zusätzliche Zwecke erfüllen, führte dies zu Zielkonflikten. Sie berücksichtige aber bereits heute umweltpolitische Themen. Für die Nationalbank ist die Aussage nicht nachvollziehbar, dass sie durch ihre Investitionen die Treibhausgase der Schweiz verdopple.

Wie stehen die Chancen für Thorens Vorschlag? Es wird wohl einfacher sein, für jene Vorstösse eine Mehrheit zu finden, welche Umweltpolitiker in rot-grünen Städten lanciert haben als für ihren im Bundesparlament. Dieses wird klar von den Bürgerlichen dominiert. Aber auch hier seien die Chancen nach dem vergangenen Hitzesommer gewachsen, meint Christian Lüthi von der Klima-Allianz Schweiz. Und wenn Thorens' Vorstoss keine Unterstützung fände, würde sich seine Organisation der direktdemokratischen Möglichkeiten bedienen. Ob es auch eine Volksinitiative sein könnte, lässt er offen.

Erstellt: 03.09.2018, 19:27 Uhr

Artikel zum Thema

128 Professoren heizen der Pensionskasse des Bundes ein

Die Publica soll Investitionen aus dem fossilen Sektor abziehen: Das fordern 166 Fachleute aus dem ETH-Bereich. Mehr...

Schweizer Milliarden heizen das Erdklima an

Aus der Schweiz fliessen riesige Summen in Kohle- und Erdölindustrien. Nun schlägt die SP eine «Grüngeldstrategie» vor. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Überflieger: Eine F-16 des türkischen Stern-Akrobatik-Teams zeigt bei der Teknofest Flugshow in Istanbul, zu was die Maschine fähig ist. (20 September 2018)
(Bild: Osman Orsal) Mehr...