Lügen, Lobbyisten, Rücktrittsforderungen

In der Geschichte um den gekauften Vorstoss von Christa Markwalder (FDP, BE) steht Aussage gegen Aussage.

Ist seit gestern Hauptthema in Bundesbern: Christa Markwalder, die einen von einer PR-Agentur formulierten Vorstoss einreichte. (6. Mai 2015)

Ist seit gestern Hauptthema in Bundesbern: Christa Markwalder, die einen von einer PR-Agentur formulierten Vorstoss einreichte. (6. Mai 2015)

(Bild: Keystone)

Man mag sich bessere Vormittage als jenen Mittwochmorgen von Christa Markwalder vorstellen. Mit einer sauber recherchierten Geschichte liess die NZZ ihre Leser in die Abgründe des Schweizer Lobbyismus blicken. Ein Vorstoss im Schweizer Parlament, verfasst von einer Kommunikationsagentur, bezahlt von einer kasachischen Partei. Und mittendrin: Christa Markwalder.

Sie sei naiv gewesen, beteuerte die Berner Nationalrätin, sie habe von nichts gewusst, sie habe keine Vorteile aus der Interpellation gezogen, sie habe ausschliesslich die Beziehungen zwischen der Schweiz und Kasachstan verbessern wollen.

Mit der PR-Industrie verbandelt

Auf allen Kanälen rechtfertigte sich Markwalder am Mittwoch. Und doch dürfte auch der darauffolgende Vormittag nicht zu den besseren in ihrem Leben gehören. Nicht überall wird ihr die «Naivität» als Begründung abgenommen. In der «Aargauer Zeitung» (mit dem schönen Titel «Ausgerechnet Markwalder!») wird süffisant auf die Nähe der Bernerin zur PR-Branche verwiesen. Sie arbeitet für die Zürich-Versicherung im Bereich Governmental Affairs und lässt sich von Furrerhugi, der zweitgrössten Schweizer PR-Agentur, das Sekretariat erledigen: Post sortieren, Briefe verschicken, etc. Im «Bund» wiederum wurde Markwalder mit einem eigenen Vortrag aus dem Jahr 2006 konfrontiert, in dem sie damals erhellende Dinge über Lobbyismus gesagt hatte: «Einem transparenten Lobbying, das vor allem das Vermitteln von Informationen beinhaltet und gewisse Anliegen auf die politische Agenda setzen kann, wird die Mystik der Verschwörung entzogen.»

Hat sie davon gewusst?

Für die Mystik der Verschwörung ist heute Markwalder zuständig. Denn bei Burson-Marsteller, der Kommunikationsagentur mit den guten Beziehungen nach Kasachstan, zweifelt man an den hehren Motiven der Nationalrätin. Man habe sie über die Entstehungsgeschichte der Interpellation informiert, sagt CEO Matthias Graf in der NZZ: «Auch bezüglich Inhalt des Mandats sowie des Rahmens unserer Aktivitäten waren wir transparent.» Nun sei man am Aufarbeiten der Fakten, ergänzt Graf im «Tages-Anzeiger».

Marie-Louise Baumann, jene Beraterin, die am Anfang des Kasachen-Deals stand, wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äussern. Allerdings wusste die NZZ von Gerüchten in der Wandelhalle, von angeblichen Beweisen, dass Baumann Markwalder eben doch über den Auftraggeber informiert hatte. «Sollte Baumann solche Beweise vorbringen, könnte dies im Dezember Markwalders Wahl zur Nationalratspräsidentin gefährden.»

Wer lügt? Wer sagt die Wahrheit? Die Kommunikationsagentur hält vorderhand zu ihrer Mitarbeiterin. Wie gross die Loyalität tatsächlich ist, bleibt allerdings offen. In einer ersten Stellungnahme distanzierte sich Burson-Marsteller von Baumann. Wenige Stunden später wurde das Communiqué ausgetauscht und dessen Inhalt ins Gegenteil verkehrt. Die grosse Kommunikationsagentur hatte in der Eile falsch kommuniziert. Man habe «versehentlich» ein falsches Statement online geschaltet, verteidigte sich CEO Matthias Graf in der NZZ.

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