«Kunden erwarten einen Tür-zu-Tür-Service»

Fährt der Taxidienst Uber schon bald für die SBB? Im Rahmen von «Bund im Gespräch» blickte SBB-Chef Andreas Meyer in die Zukunft der Mobilität. Hier geht's zum Video.

«Ein freier Sitzplatz ist die beste Motivation»: SBB-CEO Andreas Meyer im Gespräch. Hinweis: Wegen anfänglicher Tonprobleme musste die erste Frage weggeschnitten werden.
Adrian Müller@mueller_adrian

«Herr Meyer, was hat es nun mit der neuen roten Bahnkarte auf sich?»: Die Einführung der neuen Mobilitätskarte Swisspass sorgte bei manchen Zuhörern von «‹Bund› im Gespräch» im Hotel Bellevue-Palace für Stirnrunzeln. Ab dem 1. August sind Halbtax und GA nur noch in dieser Form erhältlich.

Gerade ausgereift wirke dieser Schritt nicht, sagte «Bund»-Chefredaktor Patrick Feuz mit Blick auf die Kritik, die im Vorfeld auf die SBB niederprasselte. «In der Schweiz haben wir einen Tarifwirrwarr», gab Meyer unumwunden zu. Sinn der «magischen» Karte sei darum, die über 200 Schweizer Transportunternehmen zu gemeinsamen Tarif-Standards zu verpflichten.

Er habe den Swisspass in den letzten Wochen persönlich mit Zugbegleitern getestet. Die Abokontrolle könne zwar etwas länger dauern, sei aber viel effektiver. Klar sei, dass die Einführung des Swisspass nicht reibungslos verlaufen könne. «Wir sind in der Pionierphase. Da kann es am Anfang schon noch etwas holpern.»

Taxi kommt via SBB-App

Die Zukunft der Mobilität beschäftigt den SBB-Chef nicht nur wegen der neuen Karte. Meyer erwähnte Züge, die spätabends nur mit einer Handvoll Passagieren durchs Land fahren. «Werden Sie bald mit dem Taxidienst Uber zusammenspannen, um in entfernten Regionen Ihre Kunden ans Ziel zu bringen?», fragte darum Feuz. Für Meyer ist dies nicht bloss Zukunftsmusik. Man werde dafür sorgen, dass die Fahrgäste schon bald via SBB-App ein Taxi bestellen können. «Die Kunden erwarten heute einen Tür-zu-Tür-Service.» Eine Zusammenarbeit könne man sich aber nicht nur mit Uber, sondern mit grundsätzlich allen Taxifirmen vorstellen.

Freier Sitzplatz als Motivator

SBB-Taxi hin oder her: Während manche Regionalzüge schlecht ausgelastet sind, platzen Intercity-Züge auf Pendlerstrecken wie Bern–Zürich zu Stosszeiten aus allen Nähten. Meyer verkündete am Montag, dass ab 2017 von Bern aus die 1300 Sitze fassenden neuen Doppelstock-Züge verkehren werden. Das reiche aber nicht aus. Es gelte vielmehr, die Pendlerspitzen zu brechen. «Müssen Passagiere durch variable Ticketpreise in die Randstunden abgedrängt werden?», fragte der «Bund»-Chefredaktor.

Meyer erwiderte, eine Preisdifferenzierung sei nur schon aus technischen Gründen derzeit nicht möglich. Man suche andere Wege, damit die Kunden flexibler würden und auf etwas weniger volle Züge umstiegen. «Der grösste Motivator ist ein freier Sitzplatz», fasste Meyer zusammen. Die SBB richteten das Augenmerk verstärkt in Richtung Kundenberatung mittels Smartphone. «In nicht allzu ferner Zukunft werden wir unsere Kunden via App fragen, ob sie nicht vielleicht doch einen späteren Zug nehmen möchten.» Kundenströme zeitlich zu verschieben ist nur möglich, wenn die Arbeitgeber mitmachen.

Die SBB präsentieren sich spätestens seit dem Umzug in den hypermodernen Hauptsitz im Wandorf-City gern öffentlichkeitswirksam als Vorreiterin bei den flexiblen Arbeitszeiten. Meyer schilderte den tiefgreifenden Wandel am eigenen Leib. Früher sei er in aller Herrgottsfrühe im Büro gewesen und haben stapelweise Papiere abgearbeitet. «Heute arbeite ich am früheren Morgen oft von zu Hause aus.» Davon profitiere auch die Familie. «Ich kann so meinem Sohn nach dem Frühstück noch bei einer Bewerbung helfen.»

Meyers blutige Nase

Meyer ist seit knapp acht Jahren Chef der SBB. Er habe zumindest zu Beginn seiner SBB-Zeit als «ruppig, forsch und rücksichtslos» gegolten, monierte Feuz. Zahlreiche Kader hätten die SBB damals verlassen oder seien von Meyer «gegangen» worden. «Ich habe mir eine blutige Nase geholt. Es war ein ganz schwieriger Einstieg», räumte Meyer ein. Mit der Zeit habe er sich eine dicke Haut zugelegt. Die Wogen hätten sich inzwischen geglättet. «Haben sich nun die SBB Meyer oder hat sich Meyer den SBB angepasst», wollte Feuz wissen. «Beide etwas», sagte der Bahnchef augenzwinkernd.

Zum Schluss wollte jemand aus dem Publikum wissen, weshalb die überlasteten Eurocity-Züge von Bern nach Mailand nicht einfach verlängert würden. Meyer antwortete knapp: «Reservieren Sie einfach frühzeitig Ihren Sitzplatz, wenn Sie die Fahrt geniessen wollen.»


Nächstes «Der Bund» im Gespräch
10. August 2015, Reservationen ab Anfang Juli 2015

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DerBund.ch/Newsnet

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