«Konsequent wäre: Den Fahrausweis gibt es erst ab 20»

Der Bundesrat prüft begleitetes Autofahren für 16-Jährige. Die Unfallopferorganisation Roadcross lehnt diese Idee ab. Eine Studie zeige, dass man das Zulassungsalter eher erhöhen statt senken sollte.

«Die Verlockung wird steigen»: Nächtlicher Unfall, bei dem ein 13-Jähriger mit dem Auto seines Vaters in ein geparktes Auto raste.

«Die Verlockung wird steigen»: Nächtlicher Unfall, bei dem ein 13-Jähriger mit dem Auto seines Vaters in ein geparktes Auto raste.

(Bild: Keystone KP BL)

Thomas Ley@thomas_ley

Herr Granig, der Bundesrat will 16-Jährige ans Steuer eines Autos lassen. Da stehen Ihnen doch die Haare zu Berge, oder?
Wir sind tatsächlich skeptisch. Aber ich möchte zunächst einmal festhalten, dass der Bundesrat die entsprechende Motion des Genfer Nationalrats Mauro Poggia (Mouvement Citoyens) ablehnt.

Das stimmt, aber der Bundesrat ist bereit, die sogenannte vorgezogene Fahrausbildung ab 16, also das Fahren in Begleitung einer Person mit Ausweis, zumindest zu prüfen.
Er verweist auf die bis Ende 2013 laufende Evaluation des Bundesamts für Strassen, welches die Auswirkung einer solchen Regelung prüft. Damit sind wir völlig einverstanden. Uns interessiert das Resultat dieser Studie ebenfalls. Sollte diese Studie einen grossen Sicherheitsgewinn nachweisen, lässt sich dies diskutieren.

Aber im Grunde lehnen Sie ja diese Idee, die vor allem vom TCS vorangetrieben wird, ab. Warum eigentlich?
Die Unfallzahlen zeigen, dass die jüngsten Fahrer in der Schweiz prozentual deutlich am meisten in Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten involviert sind. Wir sehen nicht ein, warum man dann das Alter noch weiter senken sollte.

Um den Jungen Gelegenheit zu geben, Fahrpraxis zu sammeln. Wer mehr gefahren ist, fährt sicherer, oder nicht?
Wenn Sie diese Argumentation konsequent weiterführen, könnten wir das Einstiegsalter ja noch weiter senken, zum Beispiel bis 14.

Warum nicht?
Weil das Risikobewusstsein in so jugendlichem Alter noch nicht gefestigt ist. Auch mit 16 noch nicht. Das ist nicht einfach unsere Meinung, das ist ein physiologischer Fakt. Zudem rechnen wir damit, dass die Verlockung steigen wird, allein zu fahren. Sagen wir, jemand beginnt mit 16, begleitet zu fahren. Dann hat er nach einem Jahr das Gefühl, schon genug Praxis zu haben, und «borgt» sich das Auto für das, was man dann eine Strolchenfahrt nennt.

Trauen Sie den Jungen so wenig?
Hier geht es nicht um Vertrauen, sondern um Fakten. Vergangenen Herbst hat eine Studie der OECD festgestellt, dass jede Heraufsetzung des Einstiegsalters sich in einer Reduktion der Verkehrsunfälle und -opfer niederschlägt.

Demnach dürfte man den Fahrausweis auch mit 18 noch nicht abgeben.
Ja, das wäre die konsequente Folgerung aus dieser Studie: Den Ausweis gibt es erst ab 20.

Ist das nun Ihre Forderung?
Wir sind grundsätzlich zufrieden mit dem Alter 18. Wir warten jetzt die Evaluation des Bundesamts ab, und dann sehen wir weiter.

Das könnte für Sie ein böses Erwachen geben. Das Bundesamt könnte ja zum Schluss kommen, das Alter 16 wäre okay. Die Erfahrungen in Frankreich, Deutschland und Schweden sind jedenfalls positiv.
Ja, aber diese Länder gingen von ganz anderen Grundlagen aus. In Deutschland zum Beispiel durften Junge zuvor nur in Begleitung eines Fahrlehrers ans Steuer. Die Einführung des begleiteten Fahrens führte zu mehr Sicherheit, nicht das tiefere Einstiegsalter. Wir haben in der Schweiz seit langem die Regelung, dass man ab 18 mit Lehnfahrausweis in Begleitung eines Erwachsenen mit Ausweis fahren darf. Das hat sich bewährt.

DerBund.ch/Newsnet

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