Insel eröffnet «Zentrum der Spitzenmedizin»

Bern

Nach 18-jähriger Bauzeit, politischen Querelen und juristischen Streitigkeiten ist es soweit: Das Berner Inselspital nimmt das neue Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) in Betrieb.

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Das INO wurde am Donnerstag offiziell eingeweiht; am Samstag folgt ein Tag der offenen Tür. Innert sieben Wochen werden dann die Intensivmedizin, das Notfallzentrum und vier Operationssäle in Betrieb genommen. Zwölf weitere Operationssäle können schon seit Abschluss der ersten Etappe 2007 genutzt werden.

Im Inselspital werden jedes Jahr gut 30'000 Menschen notfallmässig versorgt, wie Direktionspräsident Urs Birchler vor den Medien sagte. 4200 Patienten benötigen Intensivmedizin. 12'600 Operationen werden vorgenommen. «Das INO ist die linke Herzkammer des Unispitals», hielt Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer fest.

Explodierende Kosten

Erste Planungsarbeiten für den Ersatz der in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten gab es schon in den 1980er-Jahren. 1995 gab der Grosse Rat 215 Millionen Franken für einen Neubau frei. Nach Baubeginn im Jahr 2000 zeigte sich bald, dass dieses Geld nicht ausreichen würde. Das Projekt wurde redimensioniert.

Trotzdem liefen die Kosten aus dem Ruder; 2004 musste das Kantonsparlament weitere 48 Mio Franken bewilligen. Der aufgestockte Baukredit konnte nun eingehalten werden, wie Baudirektorin Barbara Egger betonte. Die lange Bauzeit erforderte aber viel Geduld von allen Beteiligten.

Für unschöne Nebengeräusche sorgte auch ein Gerichtsverfahren wegen Rissen in den Betondecken, das mit einem Vergleich endete. Wie dieser ausfiel, bleibt ein Geheimnis. Ein externer Gutachter kam zudem zum Schluss, dass die Regierung gegen das Finanzhaushaltsgesetz verstossen habe.

Verzicht als Chance

Die Schwierigkeiten hatten aber auch ihre gute Seite. So war kurz vor Baubeginn beschlossen worden, einen Teil des Neubaus vorerst nicht auszubauen. Dementsprechend sind manche Räume heute noch leer. Diese «strategischen Freiflächen» schaffen die Möglichkeit, in Zukunft neue Projekte zu realisieren.

Ein Beispiel dafür ist der so genannte Hochpräzisions-OP. Er soll bis etwa Ende 2014 eingebaut werden und erlaubt es beispielsweise, noch während der Operation nachzuprüfen, ob «der ganze Tumor erwischt wurde», wie Direktionspräsident Birchler sagte.

Leben retten, Schäden verhindern

Das neue Zentrum weist eine Fläche von 50'000 Quadratmetern auf. Auch die zentralen Labors sind hier untergebracht sowie die zentrale Sterilgutversorgung, die Radiologie, die Nuklearmedizin sowie verschiedene Untersuchungs- und Spezialräume.

2000 Angestellte des Inselspitals kümmern sich im INO um die Patienten. «Hier können Menschenleben gerettet werden, mehr und besser als früher», sagte Regierungsrätin Egger. «Und es können bleibende Schäden verhindert werden.»

Das INO spiele auch beim künftigen Verbund von Insel und Spital Netz Bern eine wichtige Rolle, betonte Joseph Rohrer, der den Verwaltungsrat beider Spitalgruppen präsidiert. Das Zentrum schaffe auch für Spital Netz Bern neue Möglichkeiten - unabhängig davon, ob dereinst ein Stadtspital auf dem Inselareal gebaut wird oder anderswo.

tan/sda

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